Bulgarien führt Euro inmitten anhaltender politischer Instabilität ein

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Bulgarien vollzog in der Nacht zum Mittwoch, dem 31. Dezember 2025, den offiziellen Übergang zur gemeinsamen europäischen Währung, dem Euro (€). Mit diesem Schritt wurde das Land als 21. Mitglied in den Kreis der Eurozone aufgenommen. Diese tiefgreifende wirtschaftliche Integration erweitert den Gültigkeitsbereich der Einheitswährung bis an das Schwarze Meer und bringt die Gesamtzahl der Nutzer auf über 350 Millionen Menschen. Der unwiderrufliche Umrechnungskurs wurde auf exakt 1 Euro zu 1,95583 Bulgarische Lew (BGN) festgelegt. Dieser Kurs war bereits seit einer informellen Bindung im Jahr 1997 und seit dem formellen Beitritt zum Wechselkursmechanismus II (ERM II) im Juli 2020 stabil gehalten worden.

Die Erreichung dieses bedeutenden Meilensteins erfolgte, nachdem Bulgarien die geforderten Konvergenzkriterien erfüllt hatte. Hierzu zählte insbesondere die Senkung der Inflation auf 2,7 % im Jahr 2024. Die endgültige Zustimmung durch den Rat der Europäischen Union erfolgte am 8. Juli 2025. Allerdings wurde dieser historische Prozess durch erhebliche innenpolitische Turbulenzen stark überschattet. Die Minderheitsregierung der pro-europäischen Koalition unter Premierminister Rosen Zhelyazkov trat bereits am 11. Dezember 2025 zurück. Dieser Rücktritt folgte auf wochenlange, weitreichende Proteste gegen Korruption, die sich von ursprünglichen Haushaltsstreitigkeiten zu Forderungen nach einer umfassenden Regierungsreform ausgeweitet hatten.

Infolgedessen trat Bulgarien in die neue Währungsära unter einer Interimsverwaltung ein, die über keinen verabschiedeten Haushalt für das Jahr 2026 verfügte. Das Land sah sich mit der Aussicht auf seine achte Parlamentswahl innerhalb von nur fünf Jahren konfrontiert. Die Bevölkerung zeigte sich besorgt über mögliche Preissteigerungen. Diese Ängste wurden durch die Entwicklung der Lebensmittelpreise im November 2025 verstärkt, die im Jahresvergleich bereits um 5 % gestiegen waren – mehr als das Doppelte des Eurozonendurchschnitts. Obwohl Experten der Europäischen Zentralbank (EZB) lediglich einen moderaten inflationären Effekt von 0,2 % bis 0,4 % prognostizierten, waren die Meinungen der Bürger geteilt. Während einige auf langfristige Stabilität hofften, befürchteten andere unmittelbare Belastungen der Lebenshaltungskosten im Verhältnis zum durchschnittlichen Nettolohn von rund 1.300 Euro Ende 2025.

Wirtschaftsanalysten hoben das komplizierte Zusammenspiel zwischen dem ökonomischen Erfolg der Euro-Einführung und dem politischen Chaos hervor. Petar Ganev vom Institut für Marktwirtschaft merkte an, dass der Zusammenbruch der Regierung ein Signal der Unsicherheit für ausländische Investoren aussendete, was den positiven Effekt der Euro-Adoption möglicherweise neutralisierte. Ganev vertrat die Ansicht, dass die Mitgliedschaft in der Eurozone zwar einen Mechanismus zur Korruptionsbekämpfung biete, jedoch die tief verwurzelte politische Zersplitterung des Landes nicht lösen könne. Gleichzeitig betonte der zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovskis die strategische Bedeutung dieses Schrittes für die Festigung der pro-westlichen Ausrichtung Bulgariens und die Eindämmung externer strategischer Einflussnahme.

Hinsichtlich der praktischen Umsetzung endete die einmonatige Doppelzirkulationsphase am 31. Januar 2026. Die Bulgarische Nationalbank (BNB) sicherte jedoch zu, dass Lew-Banknoten über Geschäftsbanken bis mindestens zum 2. März 2026 kostenfrei in Euro umgetauscht werden könnten. Danach würde die BNB selbst unbegrenzte Wechselmöglichkeiten anbieten. Bulgarien schloss das Jahr 2025 mit einem Wirtschaftswachstum von über 3 % und einem Bruttoinlandsprodukt von 113 Milliarden Euro ab. Trotz dieser positiven Zahlen bleibt das Land der ärmste Mitgliedsstaat der Europäischen Union, weshalb die durch den Euro versprochene Stabilität für seine rund 6,4 Millionen Einwohner von immenser Wichtigkeit ist.

21 Ansichten

Quellen

  • Al Jazeera Online

  • Daily Mail Online

  • Bulgaria and the euro - Wikipedia

  • Bulgarian government resigns after mass anti-corruption protests | Bulgaria - The Guardian

  • Bulgaria to join euro area on 1 January 2026 - European Central Bank

  • AP News

  • Reuters

  • Financial Times

  • Euractiv

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