Ferrari beendet das Touch-Experiment: Rückkehr zu physischen Tasten für mehr Sicherheit und Fahrgefühl

Bearbeitet von: Tetiana Pin

Ferrari hat offiziell eingeräumt, dass der Trend zu berührungsempfindlichen Oberflächen in den Cockpits zu weit gegangen ist. Unter der Leitung von CEO Benedetto Vigna vollzieht die legendäre Marke aus Maranello nun eine bemerkenswerte Kehrtwende zurück zu haptischen Bedienelementen und klassischen Schaltern. Im März 2026 erklärte Vigna, dass diese Entscheidung maßgeblich auf direktem Kundenfeedback basiert, da sich viele Fahrer über die unzuverlässige Handhabung der Touch-Panels beschwerten. Zudem spielen neue europäische Sicherheitsvorschriften eine entscheidende Rolle: Diese fordern künftig, dass essenzielle Funktionen wie Blinker, Scheibenwischer und die Hupe über physische Schalter gesteuert werden müssen, anstatt tief in digitalen Bildschirmmenüs vergraben zu sein.

Interessanterweise ist dieser Schritt für das Unternehmen mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Die Implementierung von Touch-Lösungen ist für Ferrari in der Produktion etwa 50 % kostengünstiger als die Fertigung hochwertiger mechanischer Komponenten. Dennoch entscheidet sich die Marke bewusst gegen diesen finanziellen Vorteil und gegen den allgemeinen Branchentrend. Im Vordergrund stehen das kompromisslose Nutzererlebnis und die Sicherheit der Piloten, für die Ferrari seit Jahrzehnten steht. Die bewusste Entscheidung gegen die Ersparnis unterstreicht den Anspruch, die Ergonomie im Fahrzeug wieder zum zentralen Gestaltungselement zu machen.

Ein Novum in der Welt der Ultra-Luxus-Automobile ist das angekündigte Nachrüstprogramm für Bestandskunden. Besitzer der Modelle Ferrari Purosangue und Ferrari 12Cilindri erhalten die Möglichkeit eines freiwilligen Retrofits, bei dem die Touch-Flächen am Lenkrad gegen klassische, physische Tasten ausgetauscht werden können. Bei zukünftigen Modellen, wie dem Ferrari Amalfi, wird diese Rückkehr zur Haptik bereits ab Werk Standard sein. Das Ziel ist klar definiert: Der Fahrer soll wichtige Funktionen blind bedienen können, ohne den Blick auch nur für eine Sekunde von der Straße abzuwenden oder mühsam nach Piktogrammen auf einer glänzenden Oberfläche suchen zu müssen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem kommenden elektrischen Flaggschiff namens Luce. Dessen Interieur entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem renommierten Designstudio LoveFrom von Jony Ive. Im Innenraum des Luce wird man vergeblich nach überdimensionierten Tablets suchen, die das Sichtfeld dominieren. Stattdessen werden Schlüsselfunktionen, einschließlich der Klimasteuerung, über mechanische Schalter aus gefrästem Aluminium bedient. Diese bieten nicht nur eine präzise taktile Rückmeldung, sondern erzeugen beim Betätigen auch ein akustisches Feedback, das eine besondere Wertigkeit vermittelt.

Um das perfekte Bediengefühl zu erreichen, investierten Ingenieure und Testpiloten unzählige Stunden in spezielle Testreihen. Dabei wurden der notwendige Kraftaufwand für jeden Tastendruck und der spezifische Charakter des „Klick-Geräusches“ akribisch abgestimmt. Mit diesem Ansatz möchte Ferrari demonstrieren, dass eine elektrische und digitale Zukunft nicht zwangsläufig den Verlust einer lebendigen, greifbaren Schnittstelle bedeutet. Das Fahrzeug soll ein emotionales Fahrerlebnis bleiben und sich nicht in ein bloßes „Smartphone auf Rädern“ verwandeln, bei dem die haptische Verbindung zwischen Mensch und Maschine vollständig verloren geht.

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Quellen

  • Top Gear España

  • Autocar India

  • Autoblog

  • Road & Track

  • Hagerty Media

  • Vantage With Palki Sharma - YouTube

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