Lange Zeit war die Welt von dem leuchtenden Grün des Matcha besessen. Doch mittlerweile verlagert sich der Fokus hin zu mehr Gemütlichkeit und Milde. Hojicha – ein japanischer Tee aus gerösteten Blättern und Stielen – erobert derzeit die Regale der Cafés von Tokio bis New York. Warum haben wir uns plötzlich in dieses karamellfarbene Getränk verliebt?

Das Geheimnis seines Erfolgs liegt in der Chemie des Herstellungsverfahrens. Beim Rösten der Teeblätter setzt die Maillard-Reaktion ein. Dadurch verschwinden die für Grüntee typischen Bitterstoffe und die Herbe, während Aromen von Nüssen, Kakao und Toastbrot in den Vordergrund treten. Dies macht ihn zur idealen Basis für Lattes: Der Teegeschmack geht in der Milch nicht unter, sondern ergänzt sie zu einem Profil, das an einen Dessert-Kaffee erinnert.
Der größte Pluspunkt von Hojicha ist sein geringer Koffeingehalt. Bei einer Rösttemperatur von 200°C sublimiert ein Großteil des Koffeins. So entsteht ein Getränk, das man bedenkenlos zum Abendessen genießen kann, ohne Schlaflosigkeit fürchten zu müssen. Damit hat er sich zum Favoriten unter Biohackern und Menschen entwickelt, die empfindlich auf Aufputschmittel reagieren.
Sind Sie bereit, den morgendlichen Energiekick gegen eine abendliche Ruhepause bei gleichbleibendem Antioxidantiengehalt einzutauschen?
In puncto Nachhaltigkeit erweist sich die Produktion von Hojicha als Paradebeispiel für ökologisches Handeln. Oft werden dafür Kukicha (Stängel) und Bancha (Spätlese) verwendet. Was früher als „zweitklassiger“ Rohstoff galt, verwandelt sich durch die Röstung in ein Premiumprodukt. Das reduziert den Abfall auf den Teeplantagen und steigert das Einkommen der Bauern.
In der Kulinarik hat sich Hojicha bereits als „neue Schokolade“ etabliert. Er findet Verwendung in Mousse, Eiscreme und sogar in Fleischsaucen. Sein rauchiges Aroma verleiht Gerichten eine Tiefe, die mit gewöhnlichen Gewürzen kaum zu erreichen ist.
Langfristig könnte Hojicha zum globalen Standard für die Kategorie „Healthy Indulgence“ – den gesunden Genuss – werden. Er wird Matcha nicht verdrängen, aber ein neues Segment schaffen, in dem die gesundheitlichen Vorteile von Tee auf die Behaglichkeit gerösteter Aromen treffen. Vielleicht ist genau diese „Erdung“ das, wonach sich der reizüberflutete Verbraucher von heute sehnt.




