Drama „Nürnberg“: Ein psychologisches Duell vor dem Hintergrund der historischen Tribunale

Bearbeitet von: An goldy

Das packende historische Drama „Nürnberg“, inszeniert unter der Regie von James Vanderbilt, feierte am 28. Januar 2026 seine offizielle Kinopremiere. Die Veröffentlichung wurde bewusst so gewählt, dass sie mit dem achtzigsten Jahrestag der wegweisenden Gerichtsverhandlungen zusammenfällt, die die Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg prägten. Der Film stützt sich inhaltlich auf das dokumentarische Werk „Der Nazi und der Psychiater“ von Jack El-Hai. Dabei verschiebt die filmische Umsetzung den Fokus weg von den rein formalen Abläufen der Gerichtssitzungen hin zu einer tiefgreifenden und spannungsgeladenen intellektuellen Konfrontation zwischen den Protagonisten. Das Werk beleuchtet die beispiellosen juristischen Hürden, die überwunden werden mussten, um Verantwortliche für Kriegsverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Diese Prozesse legten die entscheidenden Fundamente für das moderne internationale Recht, insbesondere durch die Etablierung der Konzepte von Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Im Zentrum der filmischen Erzählung steht die Figur des Hermann Göring, der von Russell Crowe mit großer Intensität verkörpert wird. Göring, ein einstiger Spitzenfunktionär des NS-Regimes, ergab sich am 7. Mai 1945 den amerikanischen Streitkräften. Sein direkter Gegenspieler in diesem Kammerspiel ist Rami Malek, der die Rolle des Douglas Kelley übernimmt, eines US-Militärpsychiaters. Kelley wurde die verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, die psychische Verfassung und Zurechnungsfähigkeit der Hauptangeklagten vor dem offiziellen Beginn der Anhörungen zu evaluieren. In der historischen Realität verbrachte Dr. Kelley etwa acht Monate damit, die führenden Köpfe der Nationalsozialisten in einem Hotel in Luxemburg zu verhören. Dabei setzte er ein breites Spektrum psychiatrischer Diagnosemethoden ein, darunter den berühmten Rorschach-Test, um tief in das Bewusstsein und die Motivationsstrukturen der Inhaftierten vorzudringen.

Hermann Göring wird im Film als charismatischer Redner und geschickter Stratege dargestellt, der Kelley in einen hochkomplexen Dialog verwickelt. Sein Ziel ist es dabei stets, die volle Kontrolle über seine eigene öffentliche Wahrnehmung und sein historisches Image zu behalten. Währenddessen sucht der Psychiater beharrlich nach einem tieferen Verständnis für die Natur des Bösen an sich. Michael Shannon ergänzt das Ensemble in der Rolle eines Mitglieds des Obersten Gerichtshofs, das maßgeblich für die organisatorische Struktur des Verfahrens verantwortlich war. Dieses Verfahren führte essenzielle juristische Prinzipien in die weltweite Praxis ein, die bis heute Bestand haben. Obwohl einige Kritiker anmerken, dass der Film stellenweise einen didaktischen Ton anschlägt, wird die filmische Auseinandersetzung mit Themen wie der kollektiven Erinnerung und dem Extremismus als hochgradig relevant für die heutige Gesellschaft gewürdigt.

Die Produktion, die unter anderem auf dem Toronto Film Festival präsentiert wurde und dort eine beeindruckende vierminütige Standing Ovation erhielt, verzichtet bewusst auf oberflächliche historische Schauwerte. Stattdessen konzentriert sich die Regie auf ein psychologisches Duell, in dem die Grenzen zwischen Jäger und Gejagtem zunehmend verschwimmen und die Rollenverteilung immer wieder neu ausgehandelt wird. Die auf El-Hais Buch basierende Handlung verdeutlicht eindringlich, dass die von Göring vertretenen Ideologien auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Gefährlichkeit eingebüßt haben. Der Film fungiert somit als zeitlose Warnung vor der schleichenden Verbreitung radikaler Ansichten und der Fragilität demokratischer Grundwerte.

Es bleibt festzuhalten, dass der Nürnberger Prozess, der offiziell am 20. November 1945 seinen Anfang nahm, das Resultat beispielloser Anstrengungen der alliierten Mächte war. Juristen aus der UdSSR, Großbritannien und Frankreich arbeiteten eng zusammen, um eine rechtliche Grundlage für die Bestrafung von Verbrechen gegen den Frieden zu schaffen. Dieser historische Präzedenzfall diente in der Folgezeit als unverzichtbares Vorbild für spätere internationale Tribunale, wie sie beispielsweise zur Aufarbeitung der Gräueltaten in Ruanda oder im ehemaligen Jugoslawien ins Leben gerufen wurden. In Russland ist der Kinostart des Films für den 19. März angesetzt, was das anhaltende internationale Interesse an einer filmischen Aufarbeitung dieses bedeutenden juristischen Erbes unterstreicht.

26 Ansichten

Quellen

  • BFMTV

  • Sortiraparis

  • The Guardian

  • Screen Daily

  • The Brown Daily Herald

Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.