Alessandro Micheles zweite Valentino-Kollektion: Eine glanzvolle Hommage an Valentino Garavani

Bearbeitet von: Katerina S.

Während der prestigeträchtigen Haute Couture Woche für die Saison Frühjahr/Sommer 2026 in Paris enthüllte Alessandro Michele seine zweite mit Spannung erwartete Kollektion für Valentino Alta Moda. Dieses Ereignis erlangte eine außergewöhnliche und fast schon feierliche Bedeutung, da die Präsentation nur wenige Tage nach dem Ableben des legendären Modeschöpfers und Firmengründers Valentino Garavani stattfand. Die Nachricht von seinem Tod löste in der gesamten globalen Modeindustrie eine Welle der tiefen Anteilnahme aus. Michele reagierte darauf mit der Veröffentlichung eines bewegenden Briefes, in dem er Garavani als eine wahrhaft mythologische Figur ehrte. Er formulierte darin die Überzeugung, dass ein Mythos keineswegs ein bloßes Relikt der Vergangenheit sei, sondern vielmehr eine lebendige Sprache etabliere, die uns den Zugang zu völlig neuen Welten eröffne.

Die gesamte Inszenierung der Kollektion war von einer aufwendigen, fast schon filmreifen Szenografie geprägt, die darauf abzielte, die geladenen Gäste vollständig in eine Atmosphäre eintauchen zu lassen, die stark an die visuelle Kultur vergangener Zeiten erinnerte. Die Zuschauer nahmen in einer markanten, kreisförmigen Struktur Platz, die eine Hommage an das Kaiserorama darstellte. Dabei handelt es sich um ein stereoskopisches Gerät aus dem 19. Jahrhundert, das als ein wichtiger Vorläufer des modernen Kinos gilt und in den 1880er Jahren von August Fuhrmann erfunden wurde. Dieses ungewöhnliche Format verlangte von den Anwesenden, die vorbeiziehenden Modelle durch kleine, fest installierte Okulare zu betrachten. Dieser bewusste Akt des Hindurchschauens erzwang eine fokussierte und völlig ungestörte Betrachtung der dargebotenen Schneiderkunst. Michele, der sich selbst oft als „Archäologen der Kunst“ charakterisiert, verfolgte damit das Ziel, den Blick des modernen Betrachters radikal zu verlangsamen – eine künstlerische Antwort auf die heutige Reizüberflutung und die ständige Informationsflut.

Die Modenschau wurde auf eindrucksvolle Weise durch eine Original-Audioaufnahme von Valentino Garavani selbst eröffnet. In dieser historischen Tonspur teilte der verstorbene Meister seine frühesten Inspirationsquellen mit dem Publikum und sprach insbesondere über seine lebenslange Bewunderung für die großen Ikonen des Stummfilms. Diese akustische Zeitreise wurde durch eine sorgfältig kuratierte Klangkulisse ergänzt, die eine faszinierende Brücke zwischen den Epochen schlug: Treibende Techno-Rhythmen trafen auf erhabene klassische Kompositionen. Diese kühne musikalische Kombination verstärkte die theatralische Dramaturgie des gesamten Moments und schuf einen Raum, in dem Tradition und Avantgarde unmittelbar aufeinandertrafen, was die emotionale Wirkung der Kollektion noch vertiefte.

In seinen gestalterischen Entwürfen schöpfte Alessandro Michele aus dem Vollen und ließ sich maßgeblich vom Goldenen Zeitalter Hollywoods sowie von der geometrischen Eleganz des Art déco inspirieren. Diese Einflüsse manifestierten sich in meisterhaft gearbeiteten, fließenden Drapierungen, die den Körper elegant umspielten, sowie in skulptural geformten Kragenkonstruktionen. Bei der Materialwahl setzte der Designer auf luxuriöse Stoffe wie schweren Faille und tiefschwarzen Samt, die der Kollektion eine haptische Tiefe und zeitlose Erhabenheit verliehen. Ein weiterer tiefgreifender Bezugspunkt war das Werk des italienischen Dichters und Regisseurs Pier Paolo Pasolini. Dessen berühmte Metapher der Glühwürmchen als Symbol für Widerstandsfähigkeit und das Überdauern in dunklen Zeiten fand ihren visuellen Ausdruck in hauchzarten Stickereien und der Verwendung von glänzenden, metallisierten Fäden, die im Licht der Scheinwerfer wie kleine Lichtpunkte funkelten.

In der exklusiven Riege der prominenten Gäste, welche die Kollektion durch die speziellen Sichtportale der Kaiserorama-Konstruktion verfolgten, fanden sich zahlreiche bekannte Gesichter der internationalen Unterhaltungsbranche. Unter ihnen waren die Schauspielerin Dakota Johnson, die für ihren eleganten Stil bekannt ist, sowie Kirsten Dunst und die aufstrebende Sängerin Tyla. Die Anwesenheit dieser hochkarätigen Persönlichkeiten unterstrich nicht nur den Status von Valentino als eines der führenden Modehäuser der Welt, sondern verdeutlichte auch die enorme Anziehungskraft, die Micheles neue kreative Richtung auf die globale Popkultur ausübt. Die Stars zeigten sich sichtlich fasziniert von der intimen Art der Präsentation, die eine ganz neue Nähe zur Haute Couture ermöglichte.

Fachkundige Beobachter und Modekritiker waren sich einig, dass es Alessandro Michele mit dieser Kollektion gelungen ist, eine bemerkenswerte Balance zu finden. Er schaffte es, das monumentale Erbe von Valentino Garavani mit seiner ganz eigenen, unverwechselbaren visuellen Lexik für das Modehaus zu verschmelzen. Die Kollektion wirkte wie ein harmonisches Zwiegespräch zwischen historischen Allusionen und radikal modernen Elementen. Michele bewies damit eindrucksvoll, dass er in der Lage ist, die Identität des Hauses Valentino zu wahren und gleichzeitig in eine neue Ära zu führen, in der handwerkliche Exzellenz und intellektuelle Tiefe Hand in Hand gehen. Das Ergebnis war eine meisterhafte Demonstration, die sowohl die Geschichte ehrte als auch den Weg für die zukünftige Entwicklung des Hauses ebnete.

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Quellen

  • il Giornale.it

  • L'Officiel Ibiza

  • L'Officiel Singapore

  • RUSSH

  • W Magazine

  • Dazed

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