Strafverfahren gegen Chiara Ferragni in Mailand eröffnet

Bearbeitet von: Katerina S.

In Mailand haben die Vorverhandlungen im Strafverfahren gegen die bekannte italienische Influencerin und Bloggerin Chiara Ferragni begonnen. Dieser juristische Vorgang markiert einen neuen Höhepunkt in der Affäre, die als „Pandoro-Gate“ bekannt wurde.

Die Ursprünge dieser Kontroverse reichen bis ins Jahr 2022 zurück. Damals bewarb Ferragni unter ihrer persönlichen Marke Ferragni spezielle Pandoro-Kuchen, die in Zusammenarbeit mit der Konditorei Balocco entstanden waren. Die gesamte Aktion wurde als wohltätige Initiative präsentiert, wobei die Bloggerin versprach, einen Teil der Einnahmen an ein Kinderkrankenhaus in Turin zu spenden. Im Zuge von Ermittlungen, die durch die Enthüllungen der Journalistin Selvaggia Lucarelli in der Zeitung Domani angestoßen wurden, kam jedoch ans Licht, dass Chiara Ferragni Gewinne einstrich, die das Dreifache des ursprünglichen Verkaufspreises des Desserts überstiegen. Dieser Umstand führte zur öffentlichen Empörung und dem Namen „Pandoro-Gate“.

Ein ähnliches Muster zeigte sich bei der Vermarktung von Schokoladeneiern der Marke Dolci Preziosi. Über einen Zeitraum von zwei Jahren generierte Ferragni durch diese Kampagne Einnahmen in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Entgegen den Werbeversprechen wurde jedoch kein einziger Cent an das gemeinnützige Projekt I bambini delle Fate weitergeleitet, wie es ursprünglich deklariert worden war.

Als direkte Konsequenz dieser Vorkommnisse verhängte die italienische Kartellbehörde im Jahr 2023 empfindliche Strafen. Ferragni selbst musste eine Geldbuße von über einer Million Euro zahlen, während Balocco mit einer Strafe von 400.000 Euro belegt wurde. Trotz dieser administrativen Sanktionen mündete die Angelegenheit schließlich in ein strafrechtliches Verfahren.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe entschuldigte sich Ferragni öffentlich über ihre Social-Media-Kanäle. Sie leistete zudem Zahlungen in Höhe von insgesamt 3,4 Millionen Euro, die sowohl Strafen als auch Spenden an verschiedene wohltätige Organisationen, darunter das Regina Margherita Kinderkrankenhaus in Turin, abdeckten. Dennoch hält die Staatsanwaltschaft an der Anklage fest.

Die Anklage fordert für Ferragni eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten wegen schweren Betrugs. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass die Verbraucher bewusst über die tatsächliche Natur der Spenden getäuscht wurden. Da die Höhe der Spende fixiert war und nicht von den tatsächlichen Verkaufszahlen abhing, habe dies zu einem unrechtmäßigen Gewinn geführt, der zwei Millionen Euro übersteigt. Ferragni selbst weist die Vorwürfe vehement zurück und betont, dass alle ihre Handlungen in gutem Glauben erfolgten. Ihre Verteidigung versucht derweil, die juristische Auseinandersetzung von der strafrechtlichen in die verwaltungsrechtliche Ebene zu verschieben.

Das eigentliche Gerichtsverfahren im Fall des Pandoro-Skandals ist für den 5. Dezember angesetzt. Bis dahin bleibt die Causa Chiara Ferragni ein zentrales Thema in der italienischen Medienlandschaft, das die Schnittstelle zwischen Influencer-Marketing, Transparenz und Wohltätigkeit beleuchtet.

Quellen

  • CursDeGuvernare

  • Punto Informatico

  • SHOWBIZ

  • European Commission requests Shein to provide information on the sale of illegal products under the Digital Services Act

  • Curs De Guvernare

  • Euractiv

  • The Korea Times

  • Cosmetics Design Europe

  • Greenpeace Italia

  • Il Fatto Quotidiano

  • Notizie da TeleAmbiente TV News

  • Collettiva

  • Nii A. Ahene

  • Fashion Network UK

  • Wanted in Rome

  • Pandorogate - Wikipedia

  • Philstar Life

Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?

Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.