Nächtliches Grübeln als neurologisch bedingte verzögerte emotionale Verarbeitung
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Aktuelle Forschungsergebnisse aus Psychologie und Neurowissenschaften beleuchten das Phänomen des nächtlichen Überdenkens nicht als individuelles Versagen, sondern als eine neurologisch bedingte Verschiebung der exekutiven Hirnfunktionen. Während des Tages übernimmt der präfrontale Kortex, das Steuerzentrum für Planung und Problemlösung, die Kontrolle und unterdrückt häufig aufkommende Emotionen wie Schuldgefühle oder Ängste, um zielgerichtetes Handeln zu ermöglichen. Diese Region ist essenziell für die Selbstkontrolle und die Regulierung emotionaler Reaktionen, indem sie kurzfristige Impulse zugunsten langfristiger Ziele zurückstellt.
Wenn der Körper zur Ruhe kommt, gewinnt das limbische System an Dominanz, das als Zentrum für Emotionen und Triebverhalten gilt. Diese Verschiebung der Dominanz führt dazu, dass aufgeschobene Gefühle der Tageserlebnisse an die Oberfläche drängen. Diese verzögerte emotionale Verarbeitung äußert sich in repetitiven, gedanklichen Schleifen, da das Gehirn versucht, Erlebnisse, denen tagsüber keine vollständige emotionale Anerkennung zuteilwurde, nachträglich zu klären. Das limbische System, zu dem Strukturen wie die Amygdala gehören, bewertet Reize blitzschnell emotional, oft bevor der Verstand reagiert.
Ein signifikanter Faktor, der diesen nächtlichen Zustand aufrechterhält, ist die chronische Stressbelastung, welche zu erhöhten nächtlichen Cortisolspiegeln führt. Cortisol, das primäre Stresshormon, das normalerweise morgens seinen Höchststand erreicht, behindert bei anhaltend hohem Niveau die Melatoninausschüttung und hält das Gehirn in einem aktivierten, wachzustandsähnlichen Zustand, was den Schlaf fundamental stört. Chronischer Stress kann Symptome wie Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und Stimmungsschwankungen nach sich ziehen.
Experten raten davon ab, diese aufdringlichen Gedanken durch reinen Willensakt zu unterdrücken, da dies die Intensität der Grübeleien paradoxerweise steigern kann. Der Schlüssel liegt stattdessen in einer proaktiven emotionalen Steuerung während der Wachstunden. Empfohlene Techniken umfassen das Führen eines Journals vor dem Zubettgehen zur Externalisierung mentaler Belastungen sowie die Anwendung von Achtsamkeitsübungen zur Senkung der allgemeinen Angst und des Cortisolspiegels. Die bewusste Anerkennung von Emotionen zum Zeitpunkt ihres Auftretens verhindert die Ansammlung eines überwältigenden emotionalen Rückstaus, der sich nachts entlädt.
Neurowissenschaftlich betrachtet kann das sogenannte affektive Labeling – das präzise Benennen von Emotionen – die Aktivität der Amygdala messbar reduzieren und gleichzeitig den präfrontalen Kortex aktivieren. Forschungsergebnisse, unter anderem von der Universität Bern und dem Inselspital, zeigen, dass der Schlaf selbst, insbesondere der REM-Schlaf, eine wichtige Rolle bei der Sortierung und Abschwächung stark negativer Emotionen spielt. Die Fähigkeit, Emotionen im Schlaf zu verarbeiten, ist entscheidend für die psychische Stabilität und die Vermeidung von Zuständen wie posttraumatischen Belastungsstörungen, von denen in Europa etwa 15 Prozent der Bevölkerung betroffen sind.
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Quellen
Thehealthsite.com
The Psychology of Overthinking at Night - YouTube
PSYCHOLOGY OF PEOPLE WHO OVERTHINK AT NIGHT - YouTube
The Psychology of People Who Think Too Much at Night - YouTube
Overthinkers often don't realize it but psychology says the way they make decisions is fundamentally different from most people - Editing Services | Proofreading
Stress hormones rise during sleep to prepare your body for the day - Earth.com
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