Rumänien beschließt Pläne für den Bau einer KI-Gigafabrik am Schwarzen Meer

Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich

Am 27. November 2025 hat die rumänische Regierung ein wichtiges Memorandum verabschiedet, das die Entwicklung des strategischen Projekts „KI-Gigafabrik Schwarzes Meer“ offiziell festschreibt. Dieser wegweisende Schritt zielt darauf ab, Rumänien als zentralen Knotenpunkt für Künstliche Intelligenz (KI) und Hochleistungsrechnen (HPC) im gesamten Schwarzmeerbecken zu etablieren. Dies steht im Einklang mit den übergeordneten Zielen der Europäischen Union, die technologische Souveränität Europas zu stärken.

Das Vorhaben, dessen geschätzte Investitionskosten zwischen 4 und 5 Milliarden Euro liegen, soll idealerweise bis Ende 2028 betriebsbereit sein. Die formelle Genehmigung erfolgte, nachdem im Juni 2025 ein Absichtsschreiben an die Europäische Kommission über das Gemeinsame Unternehmen EuroHPC eingereicht wurde. Dies war ein entscheidender Formalakt im Rahmen der europäischen Investitionsinitiative InvestAI. Die Vision hinter dem Projekt ist es, nicht nur rumänischen Industrieunternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen modernste Rechenkapazitäten zur Verfügung zu stellen, sondern auch Nachbarstaaten wie Moldawien, die Ukraine und die Türkei davon profitieren zu lassen.

Die geplante Infrastruktur wird beeindruckend sein: Sie umfasst die Installation von über 100.000 KI-Beschleunigern. Ergänzend dazu sind der Ausbau fortschrittlicher Glasfaser- und Unterseekabelverbindungen sowie die Implementierung hybrider Kühlsysteme und erstklassiger Cybersicherheitslösungen vorgesehen. Ein kritischer Faktor ist die Energieversorgung, die eine installierte Leistung von bis zu 1.500 MW erfordert. Der Großteil dieses Bedarfs soll durch Kernenergie gedeckt werden. Das Memorandum sieht hierfür die Nutzung der Blöcke 1 und 2 des Kernkraftwerks Cernavodă vor, ergänzt durch die zukünftigen Blöcke 3 und 4 sowie den geplanten Kleinmodularen Reaktor (SMR) in Doicești.

Die Finanzierung für den Bau der Blöcke 3 und 4 in Cernavodă, welche auf der CANDU-6-Technologie basieren und eine Gesamtleistung von 1.400 MW erbringen sollen, ist bereits gesichert. Diese Mittel stammen aus Kooperationen mit den Vereinigten Staaten, Kanada und Italien. Diese Zusagen unterstreichen Rumäniens entschlossenes Bekenntnis zu einer stabilen und kohlenstoffarmen Energiestrategie, die die technologischen Ambitionen des Landes untermauern soll.

Die Realisierung des Gesamtprojekts ist in zwei Hauptphasen gegliedert. Phase I wird direkt in Cernavodă, in unmittelbarer Nähe zum bestehenden Atomkraftwerk, angesiedelt. Dies sichert den direkten Zugang zu vorhandener Energie- und digitaler Infrastruktur. Phase II ist für den Standort Doicești vorgesehen, wo auch das SMR-Projekt angesiedelt ist. Es wird erwartet, dass das SMR-Projekt über 80 Prozent des für die KI-Gigafabrik benötigten Stroms liefern wird. Das SMR-Projekt in Doicești, das auf der NuScale-Technologie mit sechs Modulen und einer Gesamtkapazität von 462 MW basiert, befindet sich aktuell in der FEED-2-Phase. Die endgültige Investitionsentscheidung wird für das Jahr 2026 erwartet.

Die Hauptverantwortung für die Koordination dieses Mammutprojekts liegt beim ernannten Energieministerium, das dabei tatkräftige Unterstützung vom Finanzministerium und der rumänischen Digitalisierungsbehörde erhält. Die Einbindung der Interamerikanischen Entwicklungsbank signalisiert zudem den internationalen Charakter dieser Initiative. Die rumänische Regierung betont, dass dieses Vorhaben von entscheidender Bedeutung ist, um die Produktivität zu steigern, ausländische Direktinvestitionen anzuziehen und die regionale Wettbewerbsfähigkeit im Rahmen der InvestAI-Agenda nachhaltig zu stärken.

Quellen

  • BZI.ro

  • Capital

  • DCBusiness.ro

  • SeeNews

  • The Romania Journal

  • Romania Insider

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