Norddeutsche Industrie reagiert auf US-Protektionismus mit Diversifizierung
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Norddeutsche Industrieunternehmen leiten angesichts der anhaltenden protektionistischen Handelspolitik der Vereinigten Staaten eine deutliche strategische Kurskorrektur ein. Eine Blitzumfrage der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord, veröffentlicht am 13. Februar 2026, belegt diese Tendenz. Die Erhebung, die zwischen dem 26. Januar und dem 4. Februar 2026 unter 147 Mitgliedsfirmen durchgeführt wurde, weist auf eine signifikante Diversifizierung der Geschäftsbeziehungen und Abhängigkeiten hin. Die Verbände repräsentieren in Norddeutschland rund 700 Unternehmen mit über 180.000 Beschäftigten.
Ein zentrales Ergebnis der Befragung ist die geplante Reduzierung der Abhängigkeit von US-amerikanischen Akteuren im Bereich der digitalen Infrastruktur. Konkret beabsichtigt über ein Viertel der befragten Unternehmen, sich von US-Anbietern für Software und Künstliche-Intelligenz-Anwendungen zu lösen und aktiv nach alternativen Lieferanten zu suchen. Dieses Streben nach digitaler Souveränität korreliert mit der allgemeinen Prioritätensetzung: Die digitale Unabhängigkeit gilt für 80 Prozent der Unternehmen als wichtigstes Ziel.
Die Neuausrichtung manifestiert sich ebenso in der Exportstrategie: Knapp ein Viertel der befragten Betriebe plant, seine Ausfuhranstrengungen neu zu ordnen und alternative Absatzmärkte jenseits der USA zu erschließen. Parallel dazu reorganisiert beinahe ein Fünftel der Unternehmen seine Beschaffungsketten, um den Bezug von Zwischenprodukten aus den Vereinigten Staaten zu minimieren. Diese Maßnahmen dienen der umfassenden Risikominderung gegenüber politisch motivierten Handelshemmnissen.
Dr. Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer von Nordmetall, kommentierte die Ergebnisse mit der Feststellung, dass das Vertrauen in die über hundert Jahre gewachsenen transatlantischen Beziehungen durch Handelskonflikte erodiere und die norddeutsche Wirtschaft empfindlich getroffen werde. Fickinger betonte die Dringlichkeit, politische Blockaden bei alternativen Handelsabkommen aufzuheben, insbesondere das EU-Handelsabkommen mit Indien und das kürzlich unterzeichnete Mercosur-Abkommen. Das EU-Mercosur-Abkommen, unterzeichnet am 17. Januar 2026 in Asunción, Paraguay, soll eine Freihandelszone mit über 700 Millionen Einwohnern schaffen. Die Unterzeichnung wertete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als Symbol einer neuen Partnerschaft, obwohl das Inkrafttreten durch eine vom Europäischen Parlament veranlasste Überprüfung durch den Europäischen Gerichtshof verzögert wird.
Interessanterweise verfolgt eine Minderheit der Unternehmen einen gegenläufigen Kurs: Sechs Prozent der Befragten intensivieren ihre Präsenz in den USA durch den Bau eigener Produktionsstätten, mutmaßlich zur Umgehung von Importzöllen. Diese Investitionen stehen im Kontrast zur allgemeinen Tendenz der Entkopplung von der US-Wirtschaftsinfrastruktur und zeigen eine differenzierte Risikobewertung innerhalb der norddeutschen Industrie. Die strategische Konzentration auf digitale Souveränität und Lieferkettenresilienz ist eine direkte Konsequenz aus der wahrgenommenen Unbeständigkeit der US-Handelspolitik, wobei die Industrie die schnelle politische Umsetzung von Handelsabkommen als essenziell für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit ansieht.
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Quellen
Ad Hoc News
Borkener Zeitung
upday News
EU Trade - European Union
aktiv im Norden
Wikipedia
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