Irans Expertenrat wählt Mojtaba Chamenei zum neuen Obersten Führer inmitten von Krisen und Druck durch die Revolutionsgarden

Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich

Die Islamische Republik Iran durchlebt eine Phase tiefgreifender Instabilität, nachdem der Tod des Obersten Führers, Ayatollah Ali Chamenei, am 1. März 2026 offiziell bestätigt wurde. Das Ableben des langjährigen Machthabers war die direkte Folge einer koordinierten Luftoperation der Vereinigten Staaten und Israels, die am Samstag, dem 28. Februar 2026, gezielt Angriffe auf Teheran durchführten. In diesem hochexplosiven politischen Umfeld hat der 88-köpfige Expertenrat nun den 56-jährigen Mojtaba Chamenei, den Sohn des verstorbenen Führers, zu dessen Nachfolger bestimmt. Berichten zufolge fiel diese Entscheidung unter massivem Einfluss und Druck des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), was die wachsende Macht des Militärapparats bei der Besetzung des höchsten religiösen Amtes unterstreicht.

Mojtaba Chamenei gilt als streng konservativer Kleriker, der trotz seiner enormen informellen Macht bisher nie ein offizielles Staatsamt bekleidet hat. Seine tief verwurzelten Verbindungen zur Führungsebene der Revolutionsgarden gehen auf seinen Dienst in den iranischen Streitkräften während des Iran-Irak-Krieges zurück, was ihm den Aufbau eines Netzwerks zu künftigen Spitzenfunktionären ermöglichte. Über die letzten zwei Jahrzehnte hinweg agierte er als entscheidender Strippenzieher und „Torwächter“ im Büro des Obersten Führers, dem sogenannten Beit-e Rahbari. Aufgrund dieser einflussreichen Rolle verhängte das US-Finanzministerium bereits im Jahr 2019 Sanktionen gegen ihn, mit der Begründung, er handele in offizieller Kapazität für seinen Vater, auch ohne formelle Ernennung.

Die militärische Operation, die zum Tod von Ali Chamenei führte, hatte verheerende Auswirkungen auf die gesamte Führungsfamilie. Laut der dem IRGC nahestehenden Nachrichtenagentur Fars News Agency kamen bei den Angriffen auf die Residenz in Teheran auch die Ehefrau, die Tochter, der Schwiegersohn und ein Enkelsohn des Ayatollahs ums Leben. Mojtaba Chamenei selbst überlebte die Einschläge jedoch. Dieser gewaltsame Machtwechsel markiert erst das zweite Mal in der Geschichte der Islamischen Republik seit ihrer Gründung im Jahr 1979, dass die Führung neu besetzt werden muss; der erste Übergang erfolgte 1989 nach dem Tod von Ayatollah Ruhollah Chomeini mit dem Aufstieg Ali Chameneis.

Der Prozess der Nachfolgegestaltung gestaltete sich aufgrund der anhaltenden militärischen Konfrontationen äußerst schwierig. Der vorgesehene Versammlungsort des Expertenrats in Ghom, einem der bedeutendsten religiösen Zentren des schiitischen Klerus, wurde am 3. März 2026 Ziel israelischer Luftangriffe. Um die Handlungsfähigkeit des Staates zu wahren und eine schnelle Wahl zu ermöglichen, griffen die Verantwortlichen laut iranischen Medienberichten auf alternative, mutmaßlich virtuelle Kommunikationswege zurück. Gemäß der Verfassung wurde zudem ein Übergangsrat eingerichtet, dem Präsident Masoud Pezeshkian und Alireza Arafi angehören, um die Regierungsgeschäfte bis zur endgültigen Amtseinführung des permanenten Nachfolgers zu leiten.

Politische Analysten bewerten die Ernennung Mojtabas als einen strategischen Sieg für die Revolutionsgarden, die über die Jahre eine enorme wirtschaftliche und politische Dominanz aufgebaut haben und nun auf interne Stabilität setzen. Vali Nasr, ein renommierter Iran-Experte der Johns Hopkins University, wies darauf hin, dass diese Wahl den Übergang der Kernkontrolle des Regimes in die Hände der Hardliner-Fraktion innerhalb der Revolutionsgarde signalisiert. Der Politikwissenschaftler Amin Saikal ergänzte, dass das iranische Machtgefüge historisch auf die Bewältigung von Krisen ausgelegt sei. Kurzfristig dürfte das System stabil bleiben, sofern keine tiefgreifenden Risse innerhalb des Sicherheitsapparates entstehen, während das Land weiterhin mit externen Konflikten und internen Unruhen konfrontiert ist.

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Quellen

  • Ziare.com

  • Công Luận

  • Veridica.ro

  • RADIO ROMÂNIA ACTUALITĂȚI

  • News.ro

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