Ukrainischer Sicherheitsrat und NATO-Sondertreffen nach mutmaßlichem russischem "Oreschnik"-Angriff

Bearbeitet von: Svetlana Velgush

In der Nacht zum Freitag, dem 9. Januar 2026, sah sich die Ukraine einer massiven Attacke durch Raketen und Drohnen ausgesetzt. Berichten zufolge kamen in Kiew mindestens vier Menschen ums Leben, darunter ein Sanitäter, und vier weitere medizinische Mitarbeiter wurden verletzt. Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Angriff in der Region Lwiw, wo ukrainische Quellen behaupten, die russischen Streitkräfte hätten eine ballistische Hyperschallrakete mittlerer Reichweite, mutmaßlich die „Oreschnik“, eingesetzt. Die ukrainische Luftwaffe kam zu dem Schluss, dass der Abschuss dieser Rakete vom Territorium der russischen Oblast Astrachan aus erfolgte.

Angesichts dieses Vorfalls, der sich nahe den Grenzen der Europäischen Union und der NATO ereignete, initiierte das ukrainische Außenministerium umgehend die Einberufung von Dringlichkeitssitzungen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen sowie des NATO-Ukraine-Rates. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiga, der sein Amt am 5. September 2024 angetreten hatte, verurteilte die Aktionen Moskaus scharf. Er bezeichnete sie als eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit des gesamten europäischen Kontinents und als eine Zerreißprobe für die transatlantische Gemeinschaft.

Sybiga charakterisierte die russische Begründung für den Angriff als „absurd“ und „falsch“. Er widerlegte die Behauptung, der Schlag sei eine Reaktion auf einen gescheiterten Drohnenangriff auf die Residenz des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Oblast Nowgorod Ende Dezember gewesen. Bereits zuvor hatte Sybiga bestätigt, dass laut Erkenntnissen des US-amerikanischen Central Intelligence Agency (CIA) ein solcher Angriff auf Putins Residenz nicht stattgefunden hat. Dies unterstreicht die Divergenz der Darstellung der Ereignisse.

Die angenommene Rakete „Oreschnik“ wird als ein ballistisches Raketensystem mittlerer Reichweite beschrieben, das auf der Entwicklung der RS-26 „Rubezh“ basiert und Festtreibstofftechnologie nutzt. Technische Daten, die zuvor bekannt wurden, deuten auf eine maximale Flugreichweite von bis zu 5.500 Kilometern und Höchstgeschwindigkeiten von Mach 10 (etwa 12.380 Kilometer pro Stunde) hin. Experten weisen darauf hin, dass eine derartige Geschwindigkeit die Abwehr durch bestehende Raketenabwehrsysteme erheblich erschwert. Es wird geschätzt, dass die Flugzeit nach Deutschland lediglich 11 Minuten betragen könnte. Die „Oreschnik“ wurde erstmals am 21. November 2024 im Kampfeinsatz gegen das „Juschmasch“-Werk in Dnipropetrowsk verwendet.

Neben Lwiw war auch Kiew und sein Umland von den nächtlichen Angriffen betroffen. Der Leiter der Kiewer Regionalverwaltung, Mykola Kalaschnik, meldete einen Brand in einem Privathaus im Bezirk Browary, bei dem vier Personen, darunter ein fünfjähriges Kind, wegen Kohlenmonoxidvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete über Schäden an kritischer Infrastruktur in der Hauptstadt, mit bestätigten Einschlägen in den Bezirken Darnyzkyj, Desnjanskyj, Dniprowskyj und Petscherskyj, welche Wohnhochhäuser und ein Einkaufszentrum trafen. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Durchführung des Schlages gegen die Ukraine und behauptete, dieser sei als Reaktion auf einen „terroristischen Anschlag“ auf wichtige Ziele erfolgt.

Gleichzeitig meldete der Gouverneur der Oblast Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, dass über 500.000 Einwohner seiner Region nach Beschuss durch die ukrainischen Streitkräfte ohne Strom und Heizung seien. Dies zeigt die weitreichenden Konsequenzen der Eskalation auf beiden Seiten der Grenze.

Außenminister Sybiga bekräftigte das unverrückbare Prinzip „Nichts über die Ukraine ohne die Ukraine“ und lehnte jegliche territorialen Kompromisse mit Russland ab. Die diplomatischen Bemühungen Kiews zielen darauf ab, eine sofortige Reaktion der internationalen Gemeinschaft zu erzielen, insbesondere durch verstärkten Druck auf Russland mittels entschlossenerer Maßnahmen gegen dessen „Schattenflotte“ und Öleinnahmen. Sybiga forderte verantwortliche Organisationen auf, die russische Desinformation zu entlarven und den Sanktionsdruck zu erhöhen. Der Vorfall, der den Einsatz potenziell durch den INF-Vertrag verbotener Waffen involviert, wirft erneut Fragen zur Einhaltung internationaler Rüstungskontrollregime und den Grenzen der Eskalation auf. Die ukrainische Seite besteht darauf, dass die Friedensformel der einzig gangbare Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden bleibt.

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Quellen

  • Apollo.lv

  • Jauns.lv

  • Jauns.lv

  • 1188.lv

  • Vikipēdija

  • LSM

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