Topinamburpulver zeigt präbiotische Überlegenheit gegenüber isoliertem Inulin

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Die Knolle der Topinambur, botanisch als Helianthus tuberosus klassifiziert, gewinnt in der modernen Ernährungswissenschaft an Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf die Darmgesundheit. Forschungsergebnisse legen nahe, dass das aus der gesamten Topinambur-Knolle gewonnene Pulver eine stärkere präbiotische Wirkung entfalten kann als isoliertes Inulin. Diese Überlegenheit äußert sich in einer potenziell stärkeren Förderung kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs) im Kolon, welche für die Aufrechterhaltung der Darmbarriere von zentraler Bedeutung sind. Die bakterielle Fermentation dieser Oligofruktane im Dickdarm generiert Buttersäure, welche die Integrität der Darmwand schützt und dadurch die Belastung des Immunsystems sowie der Leber durch Endotoxine mindert.

Im Gegensatz zur Kartoffel, die Stärke enthält, ist die Topinambur von Natur aus reich an Inulin, einem löslichen Ballaststoff, der den Dünndarm unverändert passiert und erst im Dickdarm den nützlichen Mikroorganismen als Substrat dient. Die höchste Nährstoffdichte erreicht die Topinambur traditionell im Dezember, was sie zu einem regional verfügbaren und preisstabilen Wintergemüse macht. Obwohl der Hauptzuwachs der Knollen von Juli bis Oktober stattfindet, erfolgt die Ernte üblicherweise von November bis März oder April, wobei der Inulingehalt zu Beginn des Erntezeitraums seinen Höchstwert erreicht.

Die positiven Effekte auf das Mikrobiom werden durch spezifische Ernährungsansätze gestützt, wie sie im Rahmen der sogenannten 'Restore-Diät' propagiert werden. Diese Diät orientiert sich an den ursprünglichen Essgewohnheiten ländlicher Regionen Papua-Neuguineas und verzichtet konsequent auf Weizen, Milchprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel. Stattdessen liegt der Fokus auf ballaststoffreichen Komponenten wie Bohnen, Süßkartoffeln, Kohl und Topinambur. Eine dreiwöchige, randomisierte kontrollierte Studie mit 30 gesunden kanadischen Erwachsenen im Alter von 18 bis 45 Jahren belegte die Wirksamkeit dieser Ernährungsweise: Die Probanden verzeichneten eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 1,4 % des Körpergewichts und eine signifikante Senkung des Gesamtcholesterinspiegels um 14 %, wobei das LDL-Cholesterin um fast 17 % sank.

Entscheidend für die Darmgesundheit war die beobachtete Verschiebung der Mikrobiota: Obwohl die Diversität der Bakterien leicht abnahm, wurde eine Zunahme gesundheitsfördernder Bakterien wie Bifidobakterien festgestellt, während entzündungsfördernde Spezies gehemmt wurden. Während isoliertes Inulin das Wachstum von Bifidobakterien und Laktobazillen stimuliert, zeigen In-vitro-Fermentationsexperimente mit Kotkulturen, dass Topinambur-Extrakte das Wachstum dieser nützlichen Keime rascher und stärker fördern können als isolierte Formen. Diese präbiotische Aktivität führt zu einer Senkung des pH-Wertes im Darm, was ein ungünstiges Milieu für pathogene Mikroorganismen schafft.

Die Renaissance der Topinambur korreliert mit dem globalen Trend, der eine Abkehr von hochverarbeiteten Produkten hin zu ganzen, präbiotischen Lebensmitteln vorsieht. Mit einem Kaloriengehalt von etwa 30 kcal pro 100 Gramm, aber einem Ballaststoffgehalt von bis zu 12,1 Gramm, bietet die Knolle eine hohe Nährstoffdichte bei geringer Energiedichte. Ihre historische Bedeutung als Nahrungs- und Futtermittel im 19. Jahrhundert, bevor sie ab 1750 weitgehend durch die Kartoffel ersetzt wurde, erfährt nun eine wissenschaftlich fundierte Neubewertung als funktionelles Lebensmittel, das zur Prävention von Zivilisationskrankheiten beitragen kann.

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Quellen

  • Ad Hoc News

  • Universität Hohenheim

  • NUTRITION HUB

  • agrarheute.com

  • Nutrition Hub

  • Zentrum der Gesundheit

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