Der tiefste Fisch der Welt enthüllt das Geheimnis seiner Fortbewegung in sieben Kilometern Tiefe

Autor: Inna Horoshkina One

Mariana trench hadal snailfish (Pseudoliparis swirei) — eines der am tiefsten lebenden Wirbeltiere der Erde, in Tiefen von bis zu ~8000 m beobachtet

Eine neue Untersuchung des Verhaltens des Hadal-Fisches Pseudoliparis swirei ermöglichte es erstmals, quantitativ zu erfassen, wie genau sich ein Wirbeltier in einer Tiefe von rund 7000 Metern im Marianengraben – dem tiefsten bekannten Meeresgraben unseres Planeten – bewegt.

Die am 15. April 2026 im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichte Forschungsarbeit stützt sich auf die Analyse von Videodaten einer Tiefsee-Lander-Sonde unter Einsatz automatisierter Computer-Vision-Systeme.

Dies stellt die erste präzise Berechnung der Bewegungsabläufe eines Wirbeltiers innerhalb der hadalen Zone des Ozeans dar.

Ein Fisch jenseits der biologischen Belastungsgrenzen der meisten Wirbeltiere

Die Spezies Pseudoliparis swirei gilt als einer der am tiefsten lebenden bekannten Fische der Erde.

Sie bewohnt eine Umgebung, in der:

Der Wasserdruck übersteigt 700 Atmosphären. Die Temperatur liegt nahe dem Gefrierpunkt. Jegliches Sonnenlicht fehlt vollständig.

Unter genau diesen Bedingungen ist es Forschern nun gelungen, die dreidimensionalen Bewegungspfade des Fisches in seinem natürlichen Lebensraum erstmals zu rekonstruieren.

Die Bewegungsgeschwindigkeit in sieben Kilometern Tiefe

Die Auswertungen ergaben:

Die durchschnittliche Schwimmgeschwindigkeit beträgt 0,16 bis 0,18 Meter pro Sekunde.

Dabei handelt es sich um eine extrem energiesparende Art der Fortbewegung.

Die Ergebnisse bestätigen, dass das Leben in der Hadal-Zone weniger auf Schnelligkeit als vielmehr auf energetischer Effizienz und stabilen Bewegungsabläufen basiert.

In der Tat ist dies eine der effektivsten Fortbewegungsstrategien, die bei Wirbeltieren unter derart extremen Druckbedingungen beobachtet wurde.

Geruchswahrnehmung über Distanzen von Hunderten von Metern

Die Modellierung chemischer Signalverbreitungen lieferte ein noch bemerkenswerteres Resultat:

Der Fisch ist in der Lage, eine Nahrungsquelle in einer Entfernung von bis zu 350 Metern aufzuspüren.

In der vollkommenen Finsternis der hadalen Zone deutet dies auf eine hochentwickelte sensorische Orientierungsfähigkeit ohne visuelle Reize hin. Mit anderen Worten: Die Fortbewegung basiert hier primär auf der chemischen Beschaffenheit des Ozeans.

Computer Vision rekonstruiert erstmals das Verhalten von Tiefseefischen

Die Wissenschaftler setzten auf eine automatisierte Analyse der Videodaten:

Hierzu gehörten die Silhouette-Erkennung des Fisches und die dreidimensionale Bewegungsrekonstruktion. Zudem wurden die Berechnung der Trajektorien sowie die Geschwindigkeitsmessung durchgeführt.

Insgesamt wurden hunderte von Bewegungsbeobachtungen verarbeitet, wodurch die Verhaltensmechanik eines Wirbeltierorganismus in extremer Tiefe erstmals umfassend beschrieben werden konnte.

Damit wandelt sich die Erforschung der hadalen Zone von einer rein beobachtenden Disziplin hin zu einer quantitativen Biologie.

Bislang wusste die Wissenschaft lediglich:

Dass solche Fische existieren. In welchen Tiefen sie vorkommen. Wie ihr äußeres Erscheinungsbild ist.

Man verfügte jedoch über fast keine Erkenntnisse darüber,

wie genau sie sich in sieben Kilometern Tiefe bewegen und im Raum orientieren.

Nun beginnt sich dieses Gesamtbild allmählich zu vervollständigen.

Es ist einer der seltenen Fälle, in denen eine Studie das Verständnis der Anpassungsfähigkeit von Wirbeltieren auf unserem Planeten grundlegend erweitert.

Welche neue Perspektive bietet diese Entdeckung?

– Wirbeltierleben erweist sich selbst dort als möglich, wo man bislang die absolute Grenze des Überlebens vermutete.

– Fortbewegung im Ozean kann fast unbemerkt und dennoch von höchster Präzision geprägt sein.

– Und selbst in sieben Kilometern Tiefe zeugt der Ozean in seiner eigenen Sprache vom Leben.

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