Antarktische Eisberge als Klima-Ingenieure der Ozeane entpuppt

Autor: Inna Horoshkina One

Eisberg A23a aus dem Weltraum aufgenommen, während unser Satellit die Antarktis umkreiste, am 22. Dezember 2024.

Eine neue Studie belegt: Verschiedene antarktische Eisberge beeinflussen die Wasserzirkulation, die Nährstoffversorgung von Ökosystemen und die Kohlenstoffbilanz des Südlichen Ozeans auf unterschiedliche Weise. Dies verändert unser Verständnis der Rolle von Gletschern grundlegend – sie schmelzen nicht bloß dahin, sondern gestalten die marine Biochemie aktiv mit.

Wissenschaftler untersuchten die beiden gigantischen Eisberge A23a und A76a und stellten dabei fest, dass ihre Auswirkungen auf den Ozean grundlegend verschieden waren.

Eisberge können die Weltmeere „düngen“

Beim Schmelzen setzen die Eisgiganten wertvolle Stoffe frei:

  • Eisen
  • Stickstoff
  • Phosphor
  • Silizium

Diese Nährstoffe kurbeln das Wachstum von Phytoplankton an – jenen mikroskopischen Organismen, die das Fundament der gesamten marinen Nahrungskette bilden.

Das Phytoplankton übernimmt dabei lebenswichtige Funktionen:

Es dient Fischen als Nahrungsgrundlage, stützt die Bestände von Walen sowie Seevögeln und absorbiert Kohlendioxid aus der Atmosphäre.

Auf diese Weise können Eisberge die biologische Produktivität des Ozeans erheblich steigern.

Allerdings wirken nicht alle Eisberge auf die gleiche Weise

Die Untersuchung lieferte ein überraschendes Ergebnis: Während einer der Eisberge eine massive Algenblüte auslöste, hinterließ der andere fast keine nennenswerten Effekte.

Das bedeutet: Jeder Eisberg fungiert als eigenständiges Klimasystem mit einer individuellen Bewegungsgeschichte und chemischen Zusammensetzung.

Eisberge lösen vertikale Strömungen im Ozean aus

Das Abschmelzen der Eisriesen bewirkt ein Aufsteigen von Tiefenwasser – ein Prozess, der als Upwelling bekannt ist.

Dieser Vorgang befördert zusätzliche Nährstoffe wie Eisen, Stickstoff und Phosphor an die Meeresoberfläche

und verstärkt auf diese Weise das Wachstum des marinen Lebens.

Somit beeinflussen Eisberge nicht nur das lokale Ökosystem in ihrem direkten Umfeld, sondern wirken sich auf weitaus größere Meeresgebiete aus.

Eisberge regulieren die Kohlenstoffbilanz des Planeten

Phytoplankton, das in der Umgebung von Eisbergen gedeiht, bindet CO2 aus der Atmosphäre.

Schätzungen aus Studien im Südlichen Ozean zufolge gilt Folgendes:

Eisberge können durch die Förderung der biologischen Produktivität für 10 bis 20 % des regionalen Kohlenstoffflusses verantwortlich sein. Dies macht sie zu einem entscheidenden Bestandteil des Klimasystems der Erde.

Eisberge beeinflussen sogar die globale Meereszirkulation

Das schmelzende Süßwasser verändert die Schichtungsstruktur des Wassers:

Es verstärkt die Stratifizierung, verändert die vertikale Durchmischung und nimmt Einfluss auf große Meeresströmungen.

Historische Daten belegen, dass das Abschmelzen des antarktischen Eisschildes bereits in der Vergangenheit Auswirkungen auf die Zirkulationsgeschwindigkeit der Weltmeere hatte.

Dies verdeutlicht, dass Gletscher in der Lage sind, Klimaprozesse auf globaler Ebene zu verändern.

Warum diese Entdeckung gerade jetzt von großer Bedeutung ist

Infolge der Erderwärmung wird mit einer Zunahme massiver Eisberge gerechnet.

Das bedeutet, dass sich auch ihr Einfluss auf die Ozeanzirkulation, die biologische Produktivität und den Kohlenstoffkreislauf intensivieren wird.

Ein fundiertes Verständnis dieser Prozesse ist der Schlüssel zur Vorhersage des künftigen Erdklimas.

Welchen Beitrag diese Erkenntnisse zum Puls des Planeten leisten

Eisberge sind längst mehr als nur ein Symbol der Gletscherschmelze. Sie erweisen sich als hochaktive Akteure innerhalb des ozeanischen Ökosystems.

Dort, wo Eis auf Wasser trifft, entstehen neue Nährstoffströme, Dynamiken und Lebensräume – und genau an diesen Orten passt der Ozean seinen Atem dem Rhythmus der Erde an.

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Quellen

  • Поведение гигантских айсбергов влияет на региональный биогеохимический круговорот в Южном океане.

  • British Antarctic Survey — объяснение механизма влияния айсбергов

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