Mentale Vorbereitung als Strategie zur Bewältigung existenzieller und betrieblicher Krisen
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Das Eintreten unvorhergesehener Ereignisse, sei es ein physischer Vorfall wie ein Fabrikbrand oder ein finanzieller Schock wie ein Börsencrash, löst eine unweigerliche biologische Reaktion aus: die kognitive Abschaltung, initiiert durch Angst und die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Diese hormonelle Reaktion, die evolutionär auf Kampf oder Flucht ausgerichtet ist, kann bei anhaltender Übererregung neurobiologische Prozesse beeinträchtigen. Insbesondere für den Informationsabruf relevante Hirnregionen wie der Hippocampus und der präfrontale Kortex können betroffen sein. Das Überleben in solchen Momenten hängt demnach von einer tiefgreifenden mentalen Vorbereitung ab, die oft Verhaltensweisen erfordert, die der ersten Schockstarre entgegenwirken, da eine Krise per Definition einen Zusammenbruch des Orientierungssystems darstellt.
Ein zentrales Element dieser Vorbereitung ist die Disziplin, die der unmittelbaren Reaktion vorzuziehen ist. Anstatt impulsiven Korrekturen nachzugehen, muss die Priorität auf der Schadensbegrenzung durch die konsequente Abarbeitung etablierter operativer Checklisten liegen, ein Prinzip, das aus den Sicherheitsprotokollen der Luftfahrt abgeleitet ist. Gleichzeitig empfiehlt sich die Kultivierung einer Haltung wissenschaftlicher Neugier, wie sie der Organisationspsychologe Dr. Adam Grant von der Wharton School vertritt. Diese Haltung ermöglicht die analytische Sichtung verbleibender Ressourcen und die Planung des nächsten logischen Schrittes, wobei Misserfolge als reine Datenpunkte zu behandeln sind. Diese Kombination aus strenger Verfahrenstreue und analytischer Distanzierung kann die Kontrolle über die Situation zurückgewinnen lassen, anstatt sich von der Panik überwältigen zu lassen.
Zur Reduktion der Furcht ist die stoische Methode der Visualisierung des schlimmsten Falles, bekannt als praemeditatio malorum, von erheblichem Wert. Diese geistige Vorwegnahme von Widrigkeiten, die bereits von Epiktet empfohlen wurde, dient nicht dem Verweilen im Negativen, sondern der Bestätigung der Überlebensfähigkeit selbst unter extremen Bedingungen, was die Freiheit schafft, nach besseren Lösungen zu suchen. Durch das Durchspielen alternativer Reaktionsmöglichkeiten erkennt man, dass das Worst-Case-Szenario oft weniger bedrohlich erscheint als zunächst angenommen, was die Resilienz stärkt und eine tiefere Dankbarkeit für die nicht eingetretenen Katastrophen ermöglicht.
Resilienz in Krisenzeiten wird maßgeblich durch die Vermeidung von Isolation gefördert. Die psychologische Widerstandsfähigkeit erfordert ein vertrauenswürdiges Krisenkabinett aus Mentoren oder Kollegen, da die gemeinsame Bewältigung einer überwältigenden Herausforderung diese in handhabbare Aufgaben zerlegt. In psychosozialen Krisen kann bereits ein vertrauensvolles Gespräch zur Linderung beitragen, wobei die Psychoedukation von Führungspersonen, wie sie beispielsweise von Organisationen wie nilo.health empfohlen wird, für zukünftige Ereignisse entscheidend ist. Adam Grant betont zudem die Hoffnung als einen Schlüsselfaktor für die Resilienz in Zeiten vieler Krisen. Die kollektive Auseinandersetzung wandelt die subjektive Last in eine geteilte Verantwortung um.
Der entscheidende Schritt zur Wiedererlangung der Handlungsfähigkeit ist die sofortige, wenn auch minimale, pragmatische Aktion, um eine notwendige Dynamik zu erzeugen. Die Zuversicht resultiert nicht aus dem Warten auf eine Verbesserung, sondern stellt sich als direkte Folge der Bewegung ein. Die menschliche Psychologie ist grundsätzlich auf Anpassung ausgelegt; die wahre Macht liegt in der bewussten Wahl der Reaktion auf erlittenes Leid, indem man aus den Resten des Verlustes einen neuen Sinn konstruiert. Diese aktive Gestaltung der Antwort auf Widrigkeiten, anstatt passiver Unterwerfung, bildet den Kern der psychologischen Meisterschaft in der Krise.
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Quellen
El Confidencial
The Guardian
AECOC
The Guardian
Workday Blog
The Objective Media
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