Kognitive Vorteile der Handschrift im Fokus anlässlich des Welt-Handschrifttags 2026

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Trotz der weitreichenden Dominanz digitaler Werkzeuge in der modernen Bildungswelt behält die progressive Pädagogik ihren Fokus auf fundamentalen Fertigkeiten wie der Handschrift bei. Diese Beibehaltung der manuellen Schreibtechniken unterstreicht deren anhaltende Relevanz für die kognitive Entwicklung, eine These, die durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt wird, welche über die reine Effizienz der Tastatureingabe hinausgehen. Die Notwendigkeit, diese grundlegenden Fähigkeiten zu pflegen, wird jährlich durch Initiativen wie den Welt-Handschrifttag beleuchtet, der die Verbindung zwischen motorischen Fähigkeiten und akademischer Leistung hervorhebt.

Der Welt-Handschrifttag wird jährlich am 23. Januar begangen und wurde ursprünglich 1977 von der Writing Instrument Manufacturers Association (WIMA) ins Leben gerufen, um den Wert des handschriftlichen Ausdrucks zu würdigen. Im Jahr 2026 jährt sich diese Feierlichkeit zum 49. Mal, was die langjährige Anerkennung der Bedeutung der Handschrift signalisiert. Die WIMA wählte dieses Datum in Anlehnung an den Geburtstag des amerikanischen Patrioten John Hancock, der für seine besonders große und kühne Unterschrift auf der Unabhängigkeitserklärung bekannt ist. Diese historische Verankerung dient als Verweis auf die handschriftliche Kommunikation als Ausdrucksform und persönliches Kennzeichen.

Aktuelle Forschungsergebnisse untermauern die These, dass das Schreiben mit der Hand signifikante kognitive Vorteile mit sich bringt, darunter eine gesteigerte Fähigkeit zur Memorierung, tiefere Reflexion und erhöhte Kreativität. Diese Prozesse positionieren die manuelle Schreibfertigkeit als essenziell für die Wissenskonstruktion und die Schulung kritischen Denkens. Studien, unter anderem von norwegischen Neurologen mittels EEG durchgeführt, belegen, dass das handschriftliche Notieren von Wörtern eine signifikant höhere Gehirnaktivität auslöst als das Tippen auf einer Tastatur. Die Feinmotorik des Schreibens aktiviert Hirnareale, die für Lernprozesse und die Gedächtnisbildung von zentraler Bedeutung sind.

Professorin Florence Bara vom Labor Cognition, Langues, Langage, Ergonomie (CLLE) der Universität Toulouse - Jean Jaurès bestätigt in ihrer Forschung die Aktivierung spezifischer neuronaler Netzwerke durch die motorische Geste des Schreibens, welche für die Entwicklung feinmotorischer Kompetenzen unerlässlich ist. Das Deutsche Schreibmotorikinstitut ergänzt, dass beim Handschreiben über 30 Muskeln und 15 Gelenke koordiniert werden müssen, was zwölf verschiedene Hirnareale stimuliert, während Tippen eine repetitive Bewegung darstellt. Diese motorische Komplexität schafft neue Reize und fördert die Verknüpfung von visuellen und Bewegungsinformationen, was das Lernen nachhaltig unterstützt und die Sichtweise der «Embodied Cognition» untermauert.

Obwohl digitale Werkzeuge heute unverzichtbar sind, betonen Pädagogen und Forscher, dass die Handschrift nicht als Konkurrentin der Tastatur, sondern als komplementäre Methode betrachtet werden sollte, die situationsabhängig angewendet wird. Insbesondere für das Einprägen von Lernstoff im schulischen Kontext wird das handschriftliche Notieren weiterhin empfohlen. Die Fähigkeit zur Handschrift bleibt somit eine vitale Säule der individuellen Ausdrucksfähigkeit und Kommunikation, deren Beibehaltung für die ganzheitliche Entwicklung von Schülern, insbesondere im Hinblick auf Feinmotorik und tiefgehendes Verständnis, von entscheidender Bedeutung ist.

8 Ansichten

Quellen

  • Télérama

  • National Today

  • Cognition, Langues, Langage, Ergonomie (CLLE) UMR 5263

  • Writing Instrument Manufacturers Association (WIMA)

  • Days Of The Year

  • Graphiline.com

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