Paris – Frankreich steht vor einer bedeutenden Welle von Protesten und Streiks. Die Gewerkschaften haben für den 18. September 2025 einen landesweiten Aktionstag angekündigt. Diese Mobilisierung richtet sich gegen die von der Regierung unter Premierminister François Bayrou vorgeschlagenen Sparmaßnahmen für das Haushaltsjahr 2026.
Die politische Landschaft ist von einer angespannten Situation geprägt. Premierminister Bayrous Minderheitsregierung sieht sich am 8. September einer Vertrauensfrage gegenüber und steht mit breiter Opposition von linken und rechten Parteien im Konflikt. Die geplanten Sparmaßnahmen belaufen sich auf eine Kürzung von 44 Milliarden Euro. Die größte Gewerkschaft, die CFDT, bezeichnete diese als „Haus des Schreckens“. Die Vorsitzende der CFDT, Marylise Léon, betonte die Entschlossenheit der Gewerkschaften, diesen Haushalt zu blockieren. Diese Ankündigung folgt auf frühere Protestaufrufe, die Erinnerungen an die „Gelbwesten“-Bewegung von 2018 wecken.
Die wirtschaftlichen Kreise äußern sich besorgt über die potenziellen Risiken, die diese politische und soziale Instabilität für die französische Wirtschaft birgt. Der öffentliche Schuldenstand Frankreichs ist auf 114 % des Bruttoinlandsprodukts gestiegen, was die Dringlichkeit der Haushaltskonsolidierung unterstreicht, aber auch die Härte der geplanten Einschnitte erklärt. Analysten erwarten eine anhaltend schwache Performance französischer Risikoanlagen und steigende Anleiherenditen, bis sich die politische Lage beruhigt.
Die Oppositionsparteien, darunter die Sozialisten, die Grünen und die rechtsextreme Nationale Sammlungsbewegung, haben bereits angekündigt, gegen die Regierung zu stimmen, was die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts der Vertrauensfrage erhöht. Sollte die Regierung scheitern, könnte Präsident Emmanuel Macron entweder einen neuen Premierminister ernennen oder Neuwahlen ausrufen. Die Proteste und Streiks im September könnten weitreichende Folgen haben, die über den öffentlichen Nahverkehr und die Flughäfen hinausgehen und auch andere Sektoren wie das Gesundheitswesen und die Bildung betreffen könnten.