Manipulationen bei Einwanderung und Columbia-Zulassung: Die US-Justizakten zu Karina Shulyak im Detail
Autor: Tatyana Hurynovich
Anfang 2026 veröffentlichte Dokumente des US-Justizministeriums (DOJ) enthüllen ein komplexes Geflecht, mit dem Jeffrey Epstein mutmaßlich die US-Einwanderungsgesetze manipulierte. Ziel dieser Bemühungen war es, Karina Shulyak, einer belarussischen Zahnärztin und engen Vertrauten Epsteins, einen dauerhaften Aufenthalt in den Vereinigten Staaten zu ermöglichen. Die Unterlagen geben detaillierte Einblicke in die Methoden, mit denen administrative Hürden umgangen wurden, um Shulyaks Status zu sichern.
Die Akten legen nahe, dass Scheinehen und gezielte Visa-Absprachen genutzt wurden, um Shulyaks legalen Aufenthalt und ihre spätere Einbürgerung in den USA zu gewährleisten. Diese Enthüllungen werfen ein Schlaglicht auf systemische Schwachstellen in den US-Verwaltungsabläufen, die laut den Materialien für private Zwecke instrumentalisiert wurden. Parallel dazu offenbart das Dossier Unregelmäßigkeiten bei Shulyaks Zulassung zum College of Dental Medicine der Columbia University. Epstein stand diesbezüglich in direktem Kontakt mit dem damaligen Dekan Ira Lamster, wobei die Korrespondenz zeitlich mit Forderungen der Universität nach hohen Spendengeldern zusammenfiel.
Obwohl Karina Shulyak ursprünglich für den Jahrgang 2016 abgelehnt worden war, erhielt sie am 3. Mai 2012 überraschend eine Zusage als Transferstudentin und schloss ihr Studium schließlich im Jahr 2015 ab. Im Februar 2026 räumte die Columbia University ein, dass dieser Aufnahmeprozess nicht den Standards für Integrität und Unabhängigkeit der Institution entsprach, und leitete Disziplinarmaßnahmen gegen zwei Beteiligte ein. Die Untersuchung deckt einen Zeitraum von 2010 bis 2018 ab, wobei Shulyak bereits im November 2010 mit Englischkursen begann.
Als im Jahr 2012 Fragen zu ihrem Einwanderungsstatus aufkamen, suchte Epstein hochrangigen Rechtsbeistand und schaltete Ian Osborne sowie Greg Craig ein, um Kontakt zum Leiter der INS (heute USCIS) aufzunehmen. Letztlich war es die Einwanderungsanwältin Arda Beskardes, die Shulyak im Januar 2015 zur Green Card und 2018 zur US-Staatsbürgerschaft verhalf. Bemerkenswert ist, dass Beskardes im Jahr 2022 in New York für ein Jahr die Zulassung entzogen wurde, da sie ihre Pflichten gegenüber Mandanten unzureichend erfüllt hatte.
Auch die finanziellen Verflechtungen rund um Shulyak werden in den Akten detailliert beschrieben. Sie wurde als Hauptbegünstigte des „1953 Trust“ identifiziert, den Epstein nur zwei Tage vor seinem Tod im August 2019 unterzeichnete. Ihr Anteil beläuft sich schätzungsweise auf 100 Millionen US-Dollar, bestehend aus einer Leibrente von 50 Millionen US-Dollar und einem Diamantring mit 33 Karat. In der Zeit um Shulyaks Zulassung an der Universität hatte Epstein zudem über eine mögliche Spende in Höhe von 5 bis 6 Millionen US-Dollar verhandelt.
Als Reaktion auf den Skandal kündigte die Columbia University eine Zahlung von 105.000 US-Dollar an zwei New Yorker Non-Profit-Organisationen an, die Opfer von sexuellem Missbrauch und Menschenhandel unterstützen. Damit belaufen sich die Gesamtspenden aus Epstein-nahen Kreisen auf 210.000 US-Dollar, einschließlich einer Zahlung von 100.000 US-Dollar an einen nach Lamster benannten Fonds im August 2012. Der ehemalige Dekan Ira Lamster gab zu, die Zulassungskommission über das Interesse an Shulyak informiert zu haben, da die Schule eine Großspende von „J.E.“ anstrebte, was er als „logisch“ bezeichnete. Dr. Thomas Magnani, ein ehemaliges Mitglied der Zulassungskommission, wurde im Februar 2026 offiziell aus allen mit der Universität verbundenen Strukturen ausgeschlossen.
In den Materialien werden zudem weitere Schlüsselfiguren genannt, die von Epsteins Nachlass profitieren sollten. Sein Bruder Mark Epstein sowie die inhaftierte Ghislaine Maxwell sind im Treuhandfonds mit jeweils 10 Millionen US-Dollar aufgeführt. Der persönliche Anwalt Darren Indyke und der Buchhalter Richard Kahn erhielten laut Dokumenten 50 beziehungsweise 25 Millionen US-Dollar. Diese Einzelheiten, die aus über drei Millionen Seiten an Dokumenten extrahiert wurden, vervollständigen das Bild davon, wie Epstein Elite-Institutionen und Verwaltungssysteme für seine Zwecke ausnutzte.
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