Vegane Käseentwicklung fokussiert auf Textur und Umami statt reiner Imitation
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Die moderne vegane Gastronomie vollzieht eine signifikante Entwicklung, indem sie sich von der bloßen Nachahmung komplexer Milchkäsesorten abwendet. Der aktuelle Fokus liegt auf der Kreation authentischer, pflanzenbasierter Texturen, wobei vegane Küchenchefs innovative Rezepturen entwickeln, um cremige Konsistenzen und das gewünschte Schmelzverhalten, bekannt als „Cheese Pull“, zu erzielen. Dieser Paradigmenwechsel in der deutschen Plant-based-Szene, die 2023 einen Gesamtumsatz von 2,2 Milliarden Euro mit Fleisch- und Milchalternativen verzeichnete, setzt sich im Jahr 2024 fort.
Die Innovationswelle in der veganen Käseherstellung zielt auf die Entwicklung dicker, vollmundiger Saucen ab, die ein intensives Geschmackserlebnis vermitteln. Erfolgreiche Ansätze integrieren langsam gekochte aromatische Grundlagen, sorgfältig ausgewählte pflanzliche Fette und natürliche Quellen für den fünften Geschmack, Umami. Zu diesen Umami-Quellen zählen insbesondere Pilzsorten wie Shiitake oder Steinpilze, die reich an Guanylsäure sind, sowie Nährhefe oder Hefeflocken, die für käsige Noten sorgen.
Ein zentrales technisches Anliegen ist die Erreichung einer seidigen, gut schmelzbaren Textur, was präzise Dosierungen von Säure und stärkehaltigen Bindemitteln erfordert, um eine dichte, pastöse Beschaffenheit zu vermeiden. Forscher, unter anderem am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung im Rahmen des Projekts „Pulse2Cheese“, untersuchen Protein-Stärke-Interaktionen, um funktionell bessere und schmelzfähigere Alternativen zu entwickeln. Diese wissenschaftliche Detailarbeit soll die ernährungsphysiologischen Defizite herkömmlicher Alternativen beheben, die oft primär aus Stärke, Fett und Aromen bestehen.
Das Resultat dieser verfeinerten Methoden ist eine vielseitige, reichhaltige Sauce, die sich ideal für Anwendungen wie Pizza oder Lasagne eignet und den Fokus auf einen authentischen Komfortgeschmack legt. Die Betonung liegt auf der sensorischen Tiefe, die durch die Kombination von Glutamaten, etwa aus Tomaten oder Sojasauce, und Nukleotiden, aus Pilzen oder Hefeextrakten, maximiert wird. Im deutschen Markt für Milchalternativen, der 2024 auf geschätzte 2,10 Milliarden US-Dollar Marktwert kommt, spielt Käse mit einem Anteil von 0,7 % im Jahr 2023 im Vergleich zu pflanzlicher Milch (9,8 %) noch eine untergeordnete Rolle, doch die Innovationsdynamik deutet auf zukünftiges Wachstum hin.
Darüber hinaus erforschen Unternehmen wie das Biotechnologieunternehmen Formo den Einsatz von Präzisionsfermentation, um durch modifizierte Mikroorganismen Casein, das Hauptprotein der Milch, herzustellen und somit langfristig Hartkäse zu ermöglichen. Solche biotechnologischen Ansätze, die auf dem Koji-Pilz basieren, zeigen signifikante ökologische Vorteile: Eine Frischkäsealternative auf dieser Basis verzeichnete in einer Lebenszyklusanalyse 65 Prozent weniger CO₂-Emissionen und 96 Prozent weniger Wasserverbrauch im Vergleich zu traditionellem Käse. Diese technologischen Sprünge unterstreichen die tiefgreifenden Nachhaltigkeitsimplikationen der Entwicklung veganer Käsealternativen für die Lebensmittelproduktion.
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Quellen
Plantbased Telegraf
Coolinarika
Lupo Marshall
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