„The Mandalorian“ ist ein Projekt aus dem Hause Lucasfilm, das zum Aushängeschild des Streamingdienstes Disney+ avancierte. Sein Erfolg basiert maßgeblich darauf, dass sich die Schöpfer Jon Favreau und Dave Filoni gegen pathetische Weltrettungsepen und für einen bodenständigen „Space-Western“ entschieden haben. Dank der revolutionären StageCraft-Technologie für virtuelle Kulissen wirkt die Serie wie eine kostspielige Kinoproduktion und bewahrt dennoch den Geist der klassischen Trilogie von George Lucas.
Die Handlung spielt in den Randgebieten der Galaxis nach dem Sturz des Imperiums und führt den einsamen Kopfgeldjäger Din Djarin ein. Sein Leben ändert sich schlagartig, als sein neuester Auftrag ihn zu Grogu führt – einem mysteriösen Kind, das derselben Spezies wie Meister Yoda angehört. Anstatt den Jungen den imperialen Kräften zu übergeben, bricht der Protagonist seinen Kodex und wird zu seinem Beschützer. Diese Geschichte über einen unerbittlichen Krieger und ein wehrloses Wesen entwickelte sich rasch zu einem gewaltigen Abenteuer, das langjährige Fans und neue Zuschauer gleichermaßen begeisterte.
Das enorme öffentliche Interesse heutzutage entspringt nicht bloß reiner Fan-Euphorie. Es ist vielmehr ein kollektives Aufatmen. Das Publikum ist der großen Namen, der Versuche zur Umschreibung des Kanons, der endlosen Gastauftritte und des Gefühls überdrüssig, dass jedes Projekt nur als Werbeplattform für das nächste dient. „The Mandalorian & Grogu“ verspricht eine Erzählung, die für sich allein stehen kann. In diesem Versprechen verbirgt sich paradoxerweise die größte Gefahr für Lucasfilm: Sollte der Film ein Erfolg werden, müsste das Studio anerkennen, dass weniger oft mehr ist. Dass die Zuschauer keine neuen Planeten oder Heerscharen neuer Jedi-Ritter benötigen. Sie brauchen lediglich ein Schiff und zwei Wesen, die lernen, eine Familie zu sein.
Letztlich wirft der aktuelle Hype eine fundamentale Frage für „Star Wars“ auf, die schon lange im Raum steht: Kann das Franchise ohne eine ständige Ausweitung des Universums überleben? Oder wird die Zukunft fortan auf einigen wenigen, wirklich geliebten Charakteren basieren, die das Publikum immer wieder sehen möchte? Der kleine Grogu ist, ohne es zu ahnen, zum Lackmustest geworden. Wenn selbst er das Franchise nicht aus seiner Identitätskrise befreien kann, wäre es vielleicht an der Zeit, die Vergangenheit ruhen zu lassen und „Star Wars“ ein würdiges Ende zu ermöglichen, anstatt es endlos neu zu starten.



