Quantenphänomene als Basis moderner Technologie: Tunneln, Verschränkung und Zeitdilatation
Bearbeitet von: Irena I
Die fundamentalen Gesetze des Universums operieren auf einer Ebene, die der alltäglichen Intuition oft widerspricht. Die im letzten Jahrhundert wissenschaftlich belegten Effekte der Quantenmechanik stellen tiefgreifende Annahmen über Materie, Energie und Raum in Frage. Diese Phänomene, von der Fähigkeit von Teilchen, Energiebarrieren zu durchdringen, bis zur unterschiedlichen Geschwindigkeit des Zeitablaufs, bilden das unverzichtbare Gerüst für die sich rasant entwickelnden modernen Technologien im Jahr 2026.
Das Quantentunneln beschreibt den Vorgang, bei dem Teilchen, wie Elektronen, Barrieren durchdringen können, die ihnen energetisch unüberwindbar erscheinen müssten. Dieser Effekt ist nicht nur für irdische Anwendungen relevant, sondern erklärt auch die kontinuierliche Kernfusion im Zentrum der Sonne. In Anerkennung dieser fundamentalen Prozesse wurde 2025 der Nobelpreis für Physik an John Clarke von der University of California in Berkeley, Michel H. Devoret von der Yale University und John M. Martinis von der University of California in Santa Barbara verliehen. Die Auszeichnung würdigte ihre Arbeiten zum makroskopischen quantenmechanischen Tunneln in supraleitenden Schaltkreisen, insbesondere unter Verwendung von Josephson-Kontakten. Die technologische Abhängigkeit von diesem Effekt ist signifikant und umfasst Komponenten wie Flash-Speicher, Solid State Drives (SSDs) und Tunneldioden sowie Rastertunnelmikroskope. Die Josephson-Kontakte sind zudem die tragenden Säulen für supraleitende Qubits in Quantencomputern, deren praktische Einsatzreife für 2026 erwartet wird. Die Forschung der Preisträger, die sie 1984 und 1985 durchführten, demonstrierte erstmals die Sichtbarkeit von Quanteneffekten in makroskopischen Systemen.
Die Quantenverschränkung, einst von Albert Einstein als „spukhafte Fernwirkung“ bezeichnet, charakterisiert korrelierte Teilchen, deren Zustände augenblicklich miteinander verbunden bleiben, unabhängig von der räumlichen Distanz. Diese fundamentale Korrelation wurde Ende 2024 durch Hoch-Energie-Experimente am CERN bestätigt, als die Kollaborationen ATLAS und CMS eine Spin-Verschränkung zwischen Top-Quarks beobachteten. Diese Beobachtung etablierte die Verschränkung als ein universelles Prinzip der Teilchenphysik selbst unter extremen Energien und ebnet den Weg für Fortschritte in der Quantenkryptographie. Ergänzend dazu nutzt die Quantenüberlagerung (Superposition), das Rückgrat der Quantenberechnung, die Eigenschaft, dass Teilchen in mehreren Zuständen gleichzeitig existieren können, bis eine Messung den Zustand kollabieren lässt.
Ein weiteres zentrales Konzept ist die Wellen-Teilchen-Dualität, die sich eindrücklich im Doppelspalt-Experiment manifestiert, wonach Licht und andere Entitäten je nach Beobachtungszustand Wellen- oder Teilchencharakter annehmen. Die Gravitation selbst führt zu einer messbaren Zeitdilatation, einer rigoros bestätigten Tatsache, die insbesondere im Global Positioning System (GPS) eine Rolle spielt. Aufgrund der geringeren Gravitation in der höheren Umlaufbahn vergeht die Zeit für GPS-Satelliten schneller als auf der Erdoberfläche. Dieser Effekt wird durch die spezielle Relativitätstheorie, die eine Verlangsamung durch die hohe Geschwindigkeit von etwa 3,87 km/s bewirkt, überlagert. Der Nettoeffekt führt dazu, dass die Satellitenuhren täglich um etwa 38 Mikrosekunden vorgehen. Ohne diese relativistischen Korrekturen würden sich Positionsfehler von kumulierend 11,4 Kilometern täglich ansammeln, was das Navigationssystem unbrauchbar machen würde.
Weitere quantenmechanische Prinzipien beeinflussen die Materie fundamental: Der Quanten-Zeno-Effekt demonstriert, dass häufige Messungen die Zustandsänderung eines Quantensystems verhindern können, was in der chemischen Reaktionskontrolle Anwendung findet. Das Pauli-Ausschlussprinzip verhindert, dass identische Fermionen, wie Elektronen, denselben Quantenzustand einnehmen, wodurch der Entartungsdruck entsteht, der den Kollaps von Elektronen in den Atomkern verhindert und die Struktur fester Materie ermöglicht. Selbst der leere Raum ist nach der Quantenfeldtheorie nicht leer, was durch den Casimir-Effekt belegt wird, der eine messbare Anziehungskraft zwischen eng beieinander liegenden, ungeladenen Metallplatten aufgrund von Vakuumfluktuationen erzeugt. Schlüsseltechnologien wie Halbleiter, Laser, GPS-Atomuhren und Quantencomputer bauen bis zum Jahr 2026 auf der Quantenmechanik auf, die somit zur essenziellen Infrastruktur der modernen Welt avanciert ist.
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Quellen
Science Times
NobelPrize.org
CERN Press release
Simon Fraser University
SpinQ
ACS Publications
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