Neue Bilder von 3I/ATLAS, aufgenommen von Paul Craggs mit dem Teleskop Dwarf 3, zeigen das Objekt mit einem hellen, schmalen weißen Kern, der von einer gleichmäßigen blauen Leuchtkraft umgeben ist.
Astrofotograf enthüllt neue Aufnahmen von 3I/ATLAS inmitten der Debatte über die Natur des Objekts
Bearbeitet von: Uliana S.
Der kanadische Astrofotograf Paul Kaggas hat am 22. November 2025 eine Reihe von Bildern des interstellaren Objekts 3I/ATLAS veröffentlicht, die er unter anderem auf der Plattform X teilte. Kaggas vertritt die Ansicht, dass seine Aufnahmen eine klarere Form des Objekts zeigen und das für Kometenkerne typische Schweifphänomen fehlt. Diese neuen visuellen Beweise fachen die wissenschaftliche Auseinandersetzung über die tatsächliche Beschaffenheit dieses kosmischen Gastes, der am 1. Juli 2025 entdeckt wurde, weiter an.
Statt der unregelmäßigen Koma und des langen Schwanzes, die man von einem gewöhnlichen Kometen erwartet, wirkt sie strukturiert, sauber und scharf beleuchtet.
Kaggas führte seine Beobachtungen mit dem tragbaren Teleskop Dwarf 3 von DwarfLab durch. Dieses Gerät ist mit einem Sony IMX678 STARVIS 2 Sensor und drei integrierten Filtern ausgestattet. Diese Technologie ermöglicht es, detaillierte Astrofotografien selbst unter städtischer Lichtverschmutzung aufzunehmen. Das Teleskop verfügt über ein 35-mm-Periskopobjektiv und wiegt nur etwas mehr als ein Kilogramm. Die offizielle Haltung der National Aeronautics and Space Administration (NASA) bleibt indes unverändert: 3I/ATLAS wird weiterhin als Komet klassifiziert.
Die NASA selbst präsentierte bereits am 19. November 2025 eigene Bilder des Objekts, unter anderem im Rahmen einer Übertragung mit dem stellvertretenden Administrator Amit Kshatriya. Dies unterstreicht die Intensität der Beobachtungen seitens der US-Raumfahrtbehörde, die auf eine natürliche Erklärung für das Phänomen drängt.
Professor Avi Loeb von der Harvard University setzt seine systematische Katalogisierung der Anomalien fort, die seiner Überzeugung nach eine rein natürliche Erklärung infrage stellen. Loeb hat sechs „Hauptanomalien“ identifiziert, die nicht in gängige Kometenmodelle passen, und 13 Abweichungen vom erwarteten Verhalten dokumentiert. Zu diesen Ungereimtheiten zählt insbesondere die ungewöhnlich präzise Flugbahn, die perfekt mit der Ekliptik-Ebene übereinstimmt – eine Wahrscheinlichkeit, die Loeb auf weniger als eins zu fünfhundert schätzt.
Die Beobachtungskampagne rund um 3I/ATLAS war außerordentlich umfangreich und involvierte zwölf verschiedene Instrumente der NASA. Der Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) der NASA nutzte beispielsweise seine HiRISE-Kamera, um das Objekt am 2. Oktober 2025 aufzunehmen, als es sich in einer Entfernung von etwa 0,2 Astronomischen Einheiten (rund 19 Millionen Meilen) befand. Auch die Europäische Weltraumorganisation (ESA) beteiligt sich an der Untersuchung; Daten des Raumfahrzeugs Juice werden für Februar 2026 erwartet.
Bereits im August hatte das Hubble-Teleskop einen großen CO2-Schweif sowie das Vorhandensein von Metallen in der Zusammensetzung des Objekts registriert, was ebenfalls als ungewöhnlich eingestuft wurde. Der Entdecker des Objekts, das ATLAS-Teleskopsystem in Chile, registrierte dessen hyperbolische Flugbahn, die eine permanente Verlassenheit des Sonnensystems bedeutet.
Die größte Annäherung an die Erde ist für Mitte Dezember 2025 auf einer Distanz von 167 Millionen Meilen geplant. Historisch gesehen ist 3I/ATLAS das dritte bestätigte interstellare Objekt nach 1I/Oumuamua und 2I/Borisov. Allerdings könnte der geschätzte Kerndurchmesser von 3I/ATLAS bis zu 20 Kilometer betragen, was es erheblich massereicher als seine Vorgänger macht. Während die NASA, vertreten durch den HiRISE-Hauptforscher Shane Byrne, auf einen natürlichen Ursprung pocht, hält Professor Loeb fest, dass die beobachteten Eigenschaften mutigere Hypothesen erfordern, um sie erklären zu können.
Quellen
International Business Times UK
NASA
Medium
PBS NewsHour
EarthSky
Mashable India
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