Persönlichkeitsmerkmale prädizieren Langlebigkeit und kognitive Resilienz

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse belegen einen direkten Zusammenhang zwischen spezifischen Persönlichkeitsmerkmalen und einer gesteigerten Gehirnfunktion sowie einer verlängerten Lebensspanne. Diese Forschung positioniert die psychologische Konstitution neben Ernährung und körperlicher Betätigung als wichtigen Faktor in der Präventivmedizin für neurologische Erkrankungen.

Die Analyse von sogenannten „Superagern“ – Personen über 80 Jahre, deren kognitive Fähigkeiten jugendliches Niveau beibehalten – identifiziert soziale Verbundenheit, ausgeprägte Neugier und hohe Resilienz als zentrale Schutzmechanismen gegen den altersbedingten kognitiven Abbau. Die Forschungsergebnisse von Professorin Emily Rogalski, die unter anderem am Healthy Aging & Alzheimer's Research Care (HAARC) Center tätig ist, deuten darauf hin, dass die Qualität und Beständigkeit sozialer Interaktionen ausschlaggebend für die Erhaltung der Gehirngesundheit sind, nicht bloße Extrovertiertheit. Die Kohorte der Superager der Northwestern University wurde von Dr. Rogalskis Forschungsgruppe über 25 Jahre hinweg untersucht. Bei Probanden im Alter von 80 Jahren oder älter zeigte sich eine episodische Gedächtnisleistung, die mit der von 25- bis 30-jährigen Personen vergleichbar ist.

Diese Befunde stellen die konventionelle Vorstellung eines unvermeidlichen kognitiven Verfalls im Alter infrage und eröffnen neue Perspektiven für die Gesundheitsspanne. Die Qualität sozialer Interaktion, selbst in einem engen Kreis, stimuliert die Gehirnaktivität durch die Notwendigkeit ständiger Anpassung und Antizipation im Gespräch. Bei Superagern wurden neurobiologische Besonderheiten festgestellt, darunter ein messbar verdickter anteriorer cingulärer Kortex und eine höhere Dichte an von Economo-Neuronen, welche mit fortgeschrittener sozialer Kognition in Verbindung gebracht werden.

Im Gegensatz dazu belegt die Wissenschaft die Gefahr sozialer Entkopplung: Soziale Isolation erhöht das Risiko für die Entwicklung einer Demenz signifikant. Studien, die Daten aus der UK Biobank mit über 460.000 Teilnehmern analysierten, belegen, dass Kontaktmangel das Demenzrisiko um etwa 26 Prozent steigern kann, unabhängig vom subjektiven Einsamkeitsempfinden. Eine andere Analyse kam zu dem Ergebnis, dass Einsamkeit das allgemeine Demenzrisiko um fast 60 Prozent erhöhen kann, wobei das Risiko für eine vaskuläre Demenz sogar um 82 Prozent anstieg. Sozial isolierte Individuen wiesen in bildgebenden Verfahren ein geringeres Volumen der grauen Hirnsubstanz in Arealen wie dem Hippocampus auf.

Diese Daten verdeutlichen, dass die Pflege des sozialen Gefüges ein ebenso wesentlicher Pfeiler der Gehirngesundheit ist wie körperliche Fitness und Ernährung. Die Forschung, an der auch Wissenschaftler wie Chun Shen von der Fudan Universität beteiligt waren, zeigt, dass soziale Teilhabe das Gehirn stimuliert und somit aktiv hält, was als Schutzfaktor wirkt. Die Erkenntnisse über die Mechanismen der Superager – sei es durch Resistenz gegen Alzheimer-Plaques und -Tangles oder durch Resilienz gegenüber deren schädlicher Wirkung – bieten Ansatzpunkte für zukünftige Interventionen zur Erhaltung der kognitiven Leistungsfähigkeit.

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Quellen

  • Tribunal Du Net

  • Scientists discover key personality trait that could help your brain stay decades younger

  • 2026 Emily Rogalski: Neuroscience Researcher – H-Index, Publications & Awards

  • Rising social isolation may increase dementia risk, new Alzheimer's Society data warns

  • The one personality trait that could help your brain stay decades younger | BBC Science Focus Magazine

  • Emily Rogalski, Ph.D | Health Care Engineering Systems Center

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