Pränatale Bindungsgestaltung als Fundament emotionaler Selbstregulation
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Die wissenschaftliche Evidenz bekräftigt, dass die Etablierung einer verbalen Kommunikation während der Schwangerschaft ein Prädiktor für eine erhöhte elterliche Erreichbarkeit, Sensibilität und Empathie nach der Geburt ist. Diese frühe mütterlich-fetale Bindung, oft als pränatales Bonding bezeichnet, erweist sich als fundamental für die spätere Entwicklung des Kindes, insbesondere im Hinblick auf die Ausbildung der emotionalen Selbstregulationsfähigkeit.
Untersuchungen zeigen, dass eine bewusste pränatale Verbindung die mütterliche Belastung und Ängstlichkeit signifikant mindert, wodurch ein Gefühl von Kontrolle und innerer Stabilität gefördert wird. Dieser mütterliche Zustand der Ruhe wirkt sich direkt auf die emotionale Regulierung des Fötus aus, da das kindliche System unmittelbar auf die physiologischen und psychischen Zustände der Mutter reagiert, was über Plazenta und Nabelschnur vermittelt wird. Eltern, die regelmäßig mit dem ungeborenen Kind interagieren, berichten von einer gesteigerten Wahrnehmung ihrer eigenen Erziehungskompetenz und eines höheren Selbstvertrauens in ihre elterlichen Fähigkeiten. Eine gefestigte pränatale Bindung erleichtert die Interaktion nach der Geburt und beeinflusst positiv Parameter wie das Stillverhalten sowie die Reaktionsfähigkeit auf die Bedürfnisse des Säuglings.
Kinder, deren Eltern bereits pränatal eine präsente Verbindung aufgebaut haben, zeigen nach der Geburt oft eine unkompliziertere Beruhigung und weisen eine geringere Reizbarkeit auf. Dies steht im Einklang mit der Erkenntnis, dass eine gute Gehirnentwicklung während der pränatalen Phase die neuronalen Bahnen für Belastbarkeit und grundlegendes Vertrauen legt, während pränataler Stress die Hirnentwicklung negativ verändern kann. Zu den effektiven Techniken zur Förderung dieser frühen Bindung zählen neben der physischen Berührung auch das bewusste Hören von Musik und das Durchführen von Entspannungsübungen.
Forschungen der Hans-Berger-Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Jena legten offen, dass pränataler Stress den Stresshormonspiegel beim Ungeborenen dauerhaft anhebt und die Hirnreifung beschleunigt, was Stress während der Schwangerschaft zu einem wesentlichen Risikofaktor für spätere Erkrankungen wie Depressionen macht. Etwa zehn Prozent des mütterlichen Stresshormons Cortisol erreichen den Fötus und können das fetale Nervensystem langfristig verändern. Die Reduktion von Disstress, der aus einem ungünstigen Verhältnis von Reizeinflüssen und der Verfassung der Person entsteht, ist demnach ein wichtiges Ziel, um die optimale Entwicklung des Kindes zu gewährleisten.
Studien, wie die am Universitätsklinikum Erlangen durchgeführte Längsschnittstudie FRANCES, die Mütter und Kinder bis ins Jugendalter begleitete, untermauern den lebenslangen Einfluss der Umgebung im Mutterleib auf die kindliche Entwicklung. Die pränatale Bindung der Mutter zum Kind, auch pränatales Bonding genannt, beschreibt die Emotionen, die eine Schwangere gegenüber ihrem ungeborenen Kind aufbaut und empfindet. Diese Bindungsrepräsentation der Mutter beeinflusst zusammen mit der pränatalen Bindung das Interaktionsverhalten mit dem Kind nach der Geburt. Die Unterstützung durch den Partner während der Schwangerschaft und in der postpartalen Phase ist ein weiterer entscheidender Faktor für eine optimale Mutter-Kind-Bindung und die positive sozio-emotionale Entwicklung des Kindes.
14 Ansichten
Quellen
bibaleze.si
MDPI
MDPI
MDPI
Bibaleze.si
The Independent
Weitere Nachrichten zu diesem Thema lesen:
Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.
