Terry Gilliam kritisiert auf dem Turin Film Festival die Algorithmisierung der Kinobranche scharf

Bearbeitet von: An goldy

Der renommierte Filmemacher Terry Gilliam nutzte seine Präsenz beim 43. Turin Film Festival, um eine vehemente Kritik an den aktuellen Entwicklungen in der Filmproduktion zu üben. Dort wurde ihm die Auszeichnung „Stella della Mole“ verliehen, eine Ehrung, die seine fünf Jahrzehnte währende, von Fantasie geprägte Karriere würdigte. Im Rahmen der Zeremonie wurde auch sein wegweisender Film „Fear and Loathing in Las Vegas“ aus dem Jahr 1998 gezeigt. Die „Stelle della Mole“ gilt als eine hohe Auszeichnung, die bereits an Größen wie Matthew Broderick, Ron Howard, Antonio Banderas und Juliette Binoche verliehen wurde, was die Bedeutung dieser Ehrung unterstreicht.

Gilliam, dessen Name untrennbar mit der legendären Komikergruppe „Monty Python“ verbunden ist, prangerte die zunehmende Abhängigkeit der Filmindustrie von Algorithmen bei der Inhaltserstellung an. Der Regisseur argumentiert pointiert, dass dieser computergesteuerte Ansatz die Kreativen dazu zwinge, Filme zu standardisieren, um spezifische, enge demografische Zielgruppen zu bedienen. Dies, so seine Überzeugung, ersticke die authentische Schaffenskraft. Er zog einen direkten Vergleich und bezeichnete moderne, hochbudgetierte Blockbuster, insbesondere jene aus dem Marvel-Universum, als technisch makellose, aber seelenlose „Fast-Food-Produkte“. Diese drastische Metapher spiegelt seine langjährige Haltung gegen die übermäßige Kommerzialisierung der Kunst wider.

Der Filmemacher betonte mit Nachdruck, dass das Kino ein „mächtiges Werkzeug“ sein müsse. Es sollte den Zuschauer überraschen und zu tiefgründigen Reflexionen anregen, anstatt lediglich bekannte und sichere Formeln zu wiederholen. Während seiner Ansprache gab Gilliam auch Updates zu seinem lang erwarteten Projekt „The Carnival at the End of Days“ (Der Karneval am Ende der Tage). Es wird berichtet, dass Johnny Depp in diesem Film die Rolle des Satans übernehmen soll, ergänzt durch eine hochkarätige Besetzung mit Jeff Bridges, Adam Driver und Jason Momoa.

Obwohl Gilliam weiterhin mit erheblichen Finanzierungshürden kämpft, die seine ambitionierten Vorhaben, einschließlich des „Carnival“-Projekts mit einem geschätzten Budget von rund 30 Millionen US-Dollar, begleiten, bekräftigte er seine unerschütterliche Verpflichtung zu einem mutigen, unkonventionellen Kino. Er erwähnte laufende Gespräche mit saudischen Investoren, um die notwendigen Mittel zu sichern. Dabei zeigte er sich bereit, den Film notfalls in Saudi-Arabien zu drehen, sollte dies die Realisierung seiner Vision garantieren. Sein letzter fertiggestellter Spielfilm, „The Man Who Killed Don Quixote“ (2018), litt ebenfalls unter Finanzierungsproblemen, die teilweise auf seinen mäßigen kommerziellen Erfolg zurückzuführen waren. Dies erschwert die Akquise von Geldern für seine nächsten großen Ideen.

Die Verleihung der „Stella della Mole“ in Turin diente somit nicht nur der Würdigung eines Lebenswerks, sondern auch als wichtige Plattform für Gilliams mahnende Worte an die Branche. Er sieht die Gefahr, dass die Kunst des Geschichtenerzählens unter dem Diktat der Kalkulierbarkeit erstickt wird. Seine Forderung nach mehr Risiko und Originalität hallte bei vielen Anwesenden nach, die seine Vision eines Kinos, das Grenzen überschreitet, schätzen.

Quellen

  • QuotidianoNet

  • Torino Film Fest

  • Wanted in Milan

  • Ciak Magazine

  • Cinecittà News

  • Torinoggi.it

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