Simón Vélez’ Debütfilm „Piedras Preciosas“ begeistert auf der 76. Berlinale
Bearbeitet von: An goldy
Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin, besser bekannt als Berlinale, bildeten die glanzvolle Bühne für die Weltpremiere von „Piedras Preciosas“ (Edelsteine), dem Langfilmdebüt des kolumbianischen Regisseurs Simón Vélez. Das 70-minütige Werk wurde in der Sektion Forum präsentiert, die traditionell für ihre Auswahl an mutigen, innovativen und experimentellen Autorenfilmen geschätzt wird. Diese Koproduktion zwischen Kolumbien und Portugal aus dem Jahr 2026, gedreht in spanischer und französischer Sprache mit englischen Untertiteln, stieß sofort auf enormes internationales Interesse, was sich in den binnen kürzester Zeit restlos ausverkauften Tickets für die Galavorstellung widerspiegelte.
Im Zentrum der Handlung steht Machado, ein junger kolumbianischer Einwanderer, der seinen Lebensunterhalt mühsam als Erntehelfer in den Weinbergen der französischen Provinz verdient. Sein Leben nimmt eine dramatische Wendung, als er von einer mysteriösen Gangsterin für einen riskanten kriminellen Coup angeworben wird. Machados Auftrag führt ihn zurück in seine ferne Heimat: Er soll einen wertvollen Smaragd aus einer Kirche in der Nähe von Medellín entwenden, wobei er unter der Tarnung eines Priesters agieren muss. Das Drehbuch von Paulo Carneiro und die Regie von Vélez, der bei diesem Projekt auch als Produzent fungierte, definieren das Genre des Gangsterfilms neu. Sie nutzen eine komplexe, nicht-lineare Erzählstruktur und eine lebendige Pop-Ästhetik, während sie gängige kolumbianische Klischees bewusst vermeiden.
Die filmische Sprache von „Piedras Preciosas“ zeichnet sich durch eine außergewöhnlich ausdrucksstarke visuelle Gestaltung aus. Die Kameraarbeit von Mauricio Reyes und Liberman Arango nimmt das Publikum mit auf visuelle „Expeditionen“ durch die facettenreiche Flora Kolumbiens, die im Film selbst wie ein begehrtes Objekt erstrahlt. Zum Ensemble gehören die talentierten Schauspieler Laura Taurines, Sofia Jaramillo, Ira Plaza und Daniel Cortés. Durch den gezielten Einsatz kräftiger Farbkompositionen und energetischer Tanzsequenzen kultiviert das Werk einen zeitlosen und markanten Stil. Kritiker sehen in diesem ambitionierten Erstlingswerk die Geburtsstunde einer bedeutenden neuen Stimme im lateinamerikanischen Kino, die eine tiefgründige Untersuchung von Landschaft, Identität und Schicksal verspricht.
Die Sektion Forum der 76. Berlinale, die im Zeitraum vom 12. bis zum 22. Februar 2026 unter der Leitung der Kuratorin Barbara Wurm stattfand, präsentierte insgesamt 32 Filme und unterstrich damit erneut ihr Engagement für gesellschaftskritische und formal wegweisende Arbeiten. Dass Vélez’ Film im offiziellen Programm neben Werken etablierter Meister wie Nicolás Pereda und Rithy Panh platziert wurde, unterstreicht den hohen Stellenwert dieses Debüts innerhalb des Festivals. Die Teilnahme an der Berlinale, bei der die Kinolegende Wim Wenders den Vorsitz der internationalen Jury innehatte, sichert dem Film weltweite Aufmerksamkeit und eröffnet vielversprechende Möglichkeiten für den internationalen Vertrieb über den European Film Market (EFM).
Simón Vélez, der gemeinsam mit Paulo Carneiro auch als ausführender Produzent verantwortlich zeichnete, schuf ein Werk, das seinen Ursprung in seinem persönlichen Interesse an intensiver dramaturgischer Arbeit und frühen Aufnahmen aus einem Edelsteingeschäft hat. Der Smaragd fungiert im Film nicht bloß als materielles Objekt der Begierde, sondern als zentraler erzählerischer Ankerpunkt und Metapher, die durch die Hände der verschiedenen Charaktere wandert und Machado auf seinem Weg voller ethischer Dilemmata begleitet. Dieser künstlerische Ansatz, der eine spannende Kriminalhandlung mit der Erforschung der kolumbianischen Identität verknüpft, verdeutlicht das Bestreben des Regisseurs, einen vielschichtigen und intellektuell fordernden filmischen Text zu erschaffen.
Mit „Piedras Preciosas“ ist Simón Vélez ein beeindruckender Spagat zwischen Genre-Kino und hohem künstlerischem Anspruch gelungen. Die Verbindung aus einer spannungsgeladenen Heist-Story und einer tiefen Reflexion über Migration und Herkunft macht den Film zu einem der unbestrittenen Höhepunkte des diesjährigen Forums. Es bleibt abzuwarten, wie das globale Publikum auf diese frische und unverbrauchte Perspektive aus Kolumbien reagieren wird, doch der erfolgreiche Start in Berlin legt zweifellos den Grundstein für eine internationale Karriere des jungen Filmemachers auf der Weltbühne des Kinos.
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Quellen
www.elcolombiano.com
76th Berlin International Film Festival - Wikipedia
Robert Duvall Obituary (1931 - 2026) - Legacy Remembers
The Mandalorian and Grogu: New Trailer, Poster, And 11 New Images - Bleeding Cool
Estas son las producciones hispanohablantes que llegan a la Berlinale 2026
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