Grüne Infrastruktur als strategisches Gut für städtische Gesundheit und Klimaresilienz anerkannt
Bearbeitet von: Ek Soshnikova
Die zehnte Jubiläumsausgabe der renommierten Fachmesse MyPlant & Garden, die vom 18. bis zum 20. Februar 2026 in Mailand stattfand, hat die Position öffentlicher Grünflächen als essenzielle Infrastruktur nachhaltig gefestigt. Auf dem weitläufigen Gelände der Fiera Milano Rho versammelten sich rund 800 Aussteller und über 25.000 Fachbesucher, um den entscheidenden Übergang vom traditionellen Gartenbau hin zu einem integrierten Management komplexer städtischer Ökosysteme zu markieren. Diese Entwicklung verbindet moderne urbane Ballungsräume und lokale Gemeinschaften direkt mit den Erfordernissen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge.
Im Rahmen der begleitenden Fachvorträge wurde eindrucksvoll dargelegt, dass wissenschaftlich fundiert geplante Grünanlagen einen messbaren und signifikanten ökologischen Nutzen für das Stadtklima stiften. Ein einzelner ausgewachsener Baum ist demnach in der Lage, jährlich eine Menge zwischen 10 und 20 Kilogramm Kohlendioxid (CO2) effektiv zu binden. Zur Veranschaulichung dieser Kapazität: Ein Hektar gesunder Baumbestand absorbiert die CO2-Emissionen, die bei einer durchschnittlichen Autofahrt über eine Distanz von 26.000 Meilen pro Jahr freigesetzt werden.
Über die rein klimatischen Aspekte hinaus bestätigen aktuelle Untersuchungen aus dem Jahr 2026, dass der regelmäßige Kontakt mit biodiversen Grünräumen das menschliche Mikrobiom nachweislich stärkt. Diese Erkenntnisse führen dazu, dass städtisches Grün in der politischen Planung zunehmend als präventive „Gesundheitsinfrastruktur“ für nationale Gesundheitssysteme eingestuft wird. Damit rückt die Natur in der Stadtplanung weg von einer rein ästhetischen Komponente hin zu einem funktionalen Baustein der medizinischen Prävention.
Die praktischen Vorteile einer konsequenten urbanen Begrünung wurden am Beispiel erfolgreicher italienischer Kommunen detailliert verdeutlicht. Das Modell der Stadt Modena, in der auf 100 Einwohner stolze 115 Bäume entfallen, zeigt bereits heute spürbare klimatische Verbesserungen für die gesamte Bevölkerung. Besonders der thermische Komfort steht hierbei im Fokus: In durch Bäume beschatteten Arealen können die gemessenen Temperaturen um bis zu 6°C niedriger liegen als auf vergleichbaren, versiegelten Asphaltflächen.
Der Erhalt und Ausbau der städtischen Biodiversität wird daher von Experten als eine direkte und notwendige Investition in das Gemeinwohl gewertet. Dies gewinnt vor allem im Kontext der globalen Erholung nach der Pandemie an strategischer Relevanz für die Resilienz von Städten. Die Fachvereinigung Asso.Impre.Di.A. forderte in diesem Zusammenhang einen grundlegenden Paradigmenwechsel: Die Bewirtschaftung grüner Anlagen muss sich von einem reinen Kostenpunkt in der Bilanz zu einer langfristigen strategischen Investition transformieren.
Ein solcher Wandel setzt jedoch eine hohe technische Expertise voraus, um die biologische Komplexität innerhalb moderner Metropolen fachgerecht und nachhaltig zu steuern. Gemeinsam mit der ANVE (Nationaler Verband der Baumschulexporteure) plädiert Asso.Impre.Di.A. für Projekte, die konsequent auf funktionale Effizienz statt auf rein dekorative Zwecke setzen. Ziel ist es, durch professionelles Grünmanagement nicht nur das Klima zu verbessern, sondern auch die allgemeine Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Messe lag auf der Bewältigung phytosanitärer Herausforderungen sowie der Präsentation italienischer Spitzenleistungen im Bereich des Green Engineering für die Stadtregeneration. Es wurde mit Nachdruck betont, dass ökologische Forschungsergebnisse zwingend und frühzeitig in die kommunale Stadtplanung integriert werden müssen. Unterstützt wird dieser Prozess durch gezielte Finanzierungsmodelle, wie etwa die Bereitstellung von Mitteln aus dem PNRR-Fonds (Nationaler Aufbau- und Resilienzplan).
Abschließend wurden auf den Foren auch kritische Maßnahmen gegen das sogenannte Greenwashing diskutiert, um einen echten und qualitativ hochwertigen Zuwachs an städtischen Grünflächen zu garantieren. Italien demonstriert als drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone mit diesen Initiativen ein tiefgreifendes Verständnis für die kritische Bedeutung ökosystembasierter Lösungen. Diese Ansätze sind für die Anpassung an den Klimawandel und die Milderung seiner Folgen in dicht besiedelten Gebieten von existenzieller Bedeutung.
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Quellen
Agenparl
Myplant & Garden - Milano - MŽ Consulting & Fairs
Myplant & Garden (Feb 2026), Rho Italy - Trade Show - 10Times
“Green Olympics” at Myplant & Garden next week - FloralDaily
Il CREA al MyPlant & Garden 2026 - Difesa e Certificazione
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