Das Modehaus Louis Vuitton hat einen bedeutenden Schritt in Richtung Nachhaltigkeit getan, indem es im Rahmen der Herbst/Winter-Kollektion 2026 auf der Pariser Modewoche Entwürfe aus pflanzlichem Kunstpelz vorstellte. Dieses Material namens Savian wurde vom Pariser und New Yorker Unternehmen BioFluff entwickelt und imitiert die Haptik von echtem Pelz, was unter anderem an einer Weste mit Wolfsfell-Print demonstriert wurde.
Savian wird aus natürlichen Rohstoffen wie Brennnesseln, Leinen und Hanf hergestellt. Schätzungen zufolge führt dies zu einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 40 bis 90 Prozent im Vergleich zu herkömmlichem Pelz, was den erklärten Umweltzielen des LVMH-Konzerns entspricht. Die BioFluff-Mitbegründer Martin Stübler, Roni Gamzon und Steven Usdan positionieren Savian als weltweit ersten rein pflanzlichen und biologisch abbaubaren Pelz im Gegensatz zu synthetischen Alternativen, die oft aus Polyester bestehen. Eine vorläufige Lebenszyklusanalyse durch Dritte ergab, dass der CO2-Fußabdruck von Savian mindestens 75 Prozent geringer ist als der von Kunststoffpelz, und während letzterer Jahrhunderte zum Abbau benötigt, zersetzt sich Savian auf Deponien innerhalb weniger Jahre. Zudem ist das Material innerhalb von nur zwölf Wochen industriell kompostierbar.
Mit diesem Schritt reiht sich Louis Vuitton in die Riege der Luxushäuser ein, die auf traditionellen Pelz verzichten und damit Trends folgen, die von Akteuren wie der New York Fashion Week, dem Vogue-Herausgeber Condé Nast sowie Mitbewerbern gesetzt wurden. So hat sich beispielsweise die Kering-Gruppe, zu der Gucci und Saint Laurent gehören, bereits 2022 dazu verpflichtet, in ihrem gesamten Portfolio auf Pelz zu verzichten. Gleichzeitig hat LVMH bislang keine vergleichbare Erklärung für den gesamten Konzern abgegeben und erst 2024 rund 300.000 Euro an den internationalen Pelzverband IFF gezahlt. Bemerkenswert ist dabei, dass das Unternehmen BioFluff bereits in einer frühen Phase seiner Entwicklung im LVMH-eigenen Inkubator „La Maison des Start-ups“ in Paris ansässig war.
Trotz der Einführung von Savian, das erstmals auf der COP28 in Zusammenarbeit mit Stella McCartney präsentiert wurde, stand Louis Vuitton zuvor wegen mangelnder Transparenz bei seinen Nachhaltigkeitszielen in der Kritik, insbesondere im Hinblick auf die Roadmap „Regeneration 2030“, der es an Konkretheit zur Erreichung der angestrebten CO2-Reduktion von 68 Prozent fehlte. Während Marken wie Gucci bereits seit der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2018 pelzfrei sind, galten Louis Vuitton und Fendi bisher als prominente Verfechter traditioneller Materialien. Die Einführung von Savian und dessen Integration in die Hauptkollektionen signalisiert nun den Beginn einer verstärkten Einbindung umweltfreundlicherer Alternativen durch die Marke.


