Italienische Zivilgesellschaft erwirbt 90 Hektar Wald am Fersinone durch Crowdfunding

Bearbeitet von: An goldy

Der Italienische Waldfonds (Fondo Forestale Italiano, FFI) hat am 20. Januar 2026 das Recht zur Verwaltung des Waldgebiets Bosco delle Sette Valli offiziell übernommen. Dieses Areal erstreckt sich über eine Fläche von 90 Hektar entlang des Baches Fersinone in der Region Umbrien. Der Erwerb dieses Territoriums, dessen Wert auf 135.000 Euro geschätzt wurde, konnte ausschließlich durch eine engagierte Crowdfunding-Kampagne realisiert werden. Mehr als 200 private Spender sowie verschiedene Unternehmen beteiligten sich an der Finanzierung, wobei keinerlei staatliche Fördermittel in Anspruch genommen wurden.

Diese Transaktion stellt einen entscheidenden Meilenstein in der Geschichte des Fonds dar, da er zum ersten Mal ein Waldgebiet von solch beträchtlicher Größe unter den Schutz der Zivilgesellschaft stellt. Das Mandat des FFI stellt sicher, dass dieses Gebiet einen dauerhaften rechtlichen Schutz vor jeglicher wirtschaftlicher Ausnutzung genießt. Dies ermöglicht eine „freie Evolution“ der Natur, die maßgeblich dazu beiträgt, die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern und die biologische Vielfalt langfristig zu sichern. Die unberührten Wälder dienen als effektive Kohlenstoffspeicher, binden CO2 im Holz und stabilisieren das lokale Mikroklima, indem sie Feuchtigkeit im Boden halten und so der Wüstenbildung entgegenwirken.

Seit seiner Gründung im Jahr 2018 verwaltet der Italienische Waldfonds bereits 43 verschiedene Waldparzellen mit einer Gesamtfläche von 373 Hektar. Mit dem Erwerb des Bosco delle Sette Valli, der nun das zweitgrößte Gebiet in seinem Netzwerk darstellt, demonstriert die Organisation das enorme Potenzial gesellschaftlicher Verantwortung im Naturschutz. Aktuell hat der Fonds eine neue Initiative gestartet, um weitere 10.000 Euro zu sammeln. Ziel ist der Kauf eines strategisch wichtigen, zwei Hektar großen Kernstücks, das für zukünftige akademische Forschungsprojekte und Citizen-Science-Vorhaben genutzt werden soll. Dieser Zukauf würde es ermöglichen, insgesamt 2.300 Meter des linken Ufers des Fersinone flussabwärts des Hauptgebiets vollständig abzusichern.

Die Organisation, die grundsätzlich keine Gehälter an ihre Mitarbeiter auszahlt, ist für den Unterhalt und die Erweiterung ihrer Schutzgebiete vollständig auf die Großzügigkeit privater Unterstützer angewiesen. Angesichts des außergewöhnlichen ökologischen Wertes der Region setzt sich der FFI dafür ein, dem Ökosystem des Fersinone den Status einer juristischen Person zu verleihen, ähnlich wie es bereits internationale Präzedenzfälle gibt. Dieses Konzept der ökologischen Rechtspersönlichkeit, das vor über 50 Jahren entwickelt wurde, erlaubt es Bürgern, im Namen der Natur rechtliche Schritte einzuleiten, etwa gegen Umweltverschmutzer. Solche Ansätze fordern traditionelle Top-down-Verwaltungsmodelle heraus und schaffen einen geschützten Raum für ökologische Werte innerhalb der modernen Rechtsprechung.

Der Bach Fersinone ist der bedeutendste Nebenfluss des Nestore und stellt ein Gewässer von exzellenter Qualität im Tiber-Becken dar, das sich durch eine hohe Naturbelassenheit und eine vielfältige Ichthyofauna mit sieben bis acht Fischarten auszeichnet. Der Name „Sieben Täler“ bezieht sich auf sieben markante Schluchten, die den bewaldeten Hang prägen. Ein historischer Pfad gleichen Namens verbindet die Siedlung Migliano mit den Überresten der Wassermühle Rotaprona. An der Rettung des Waldes beteiligten sich Institutionen wie die Gemeinde Marsciano und die GIT Banca Etica Umbria sowie zahlreiche Freiwillige. Dieser gemeinschaftliche Erwerb, der frei von spekulativen Interessen ist, dient als zukunftsweisendes Modell für Naturschutzmaßnahmen, die auf bürgerschaftlicher Eigenverantwortung basieren.

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Quellen

  • il manifesto

  • Fondo Forestale Italiano ETS

  • La Nazione

  • Agrpress

  • Corriere dell'Umbria

  • Wikipedia

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