EU beschleunigt Einführung des digitalen Euro als Reaktion auf US-Gesetzgebung

Bearbeitet von: Yuliya Shumai

Als direkte Antwort auf die Verabschiedung des GENIUS Acts in den Vereinigten Staaten, der einen Regulierungsrahmen für Stablecoins festlegt, hat die Europäische Union ihre Bemühungen zur Einführung eines digitalen Euro erheblich beschleunigt. Diese strategische Neuausrichtung beinhaltet die ernsthafte Prüfung der Implementierung des digitalen Euro auf öffentlichen Blockchains wie Ethereum oder Solana, ein Schritt, der von früheren Plänen für ein geschlossenes, zentral verwaltetes System abweicht.

Die Entscheidung, öffentliche Blockchains in Betracht zu ziehen, ist eine Reaktion auf die zunehmende Dominanz von US-Dollar-gestützten Stablecoins im globalen Zahlungsverkehr und die Sorge um die finanzielle Autonomie und Wettbewerbsfähigkeit des Euro. Piero Cipollone, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Europäischen Zentralbank (EZB), äußerte bereits im April 2025 Bedenken, dass die Förderung von Dollar-Stablecoins durch die US-Regierung die finanzielle Stabilität Europas gefährden und die Rolle des US-Dollars im internationalen Zahlungsverkehr weiter stärken könnte. Die EU sieht in der Entwicklung eines digitalen Euro eine Möglichkeit, die Relevanz des Euro im digitalen Finanzwesen zu sichern und die Abhängigkeit von ausländischen Zahlungsdienstleistern zu verringern.

Die potenzielle Nutzung von öffentlichen Blockchains wie Ethereum und Solana bietet Vorteile wie eine erhöhte Transparenz, Geschwindigkeit und Zugänglichkeit, was die Integration des digitalen Euro in dezentrale Finanzökosysteme und globale Zahlungssysteme erleichtern könnte. Allerdings birgt dieser Ansatz auch Herausforderungen. Die Transparenz öffentlicher Blockchains könnte im Konflikt mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU und dem Ziel der EZB stehen, eine bargeldähnliche Anonymität bei digitalen Transaktionen zu gewährleisten. Fragen der Skalierbarkeit von Ethereum und der Zuverlässigkeit von Solana sowie Bedenken hinsichtlich der Steuerung von Upgrades und Validatoren, die außerhalb der direkten staatlichen Kontrolle liegen, sind ebenfalls zu berücksichtigen.

Darüber hinaus warnen politische Entscheidungsträger, dass ein breit zugänglicher digitaler Euro zu Abflüssen von Bankeinlagen aus europäischen Banken führen könnte, wenn er nicht sorgfältig konzipiert wird. Die Europäische Zentralbank hat bestätigt, dass sie sowohl zentralisierte als auch dezentrale Technologien für die Implementierung des digitalen Euro evaluiert. Eine endgültige Entscheidung über die Technologie und das genaue Einführungsdatum steht noch aus, wobei die EZB eine Entscheidung über die Ausgabe eines digitalen Euro bis Ende 2025 erwartet. Diese Entwicklungen unterstreichen den globalen Wettlauf um die Entwicklung von digitalen Zentralbankwährungen und die geopolitischen Implikationen dieser Fortschritte. Die Reaktion der EU auf die US-Gesetzgebung zeigt, wie nationale legislative Maßnahmen zu signifikanten politischen Verschiebungen in anderen großen Wirtschaftsblöcken führen können.

Quellen

  • Decrypt

  • EU speeds up plans for digital euro after US stablecoin law

  • Trump signs stablecoin law as crypto industry aims for mainstream adoption

  • GENIUS Act Signed into Law US Enacts Federal Stablecoin Legislation

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