Kunstbetrachtung steigert eudaimonische Wohlbefinden signifikant, belegt Forschung

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Umfassende psychologische Studien belegen, dass die Auseinandersetzung mit Kunst greifbare Vorteile für die psychische Verfassung und das allgemeine Wohlbefinden des Menschen mit sich bringt. Eine breit angelegte Meta-Analyse, welche die Ergebnisse von Untersuchungen aus dem Zeitraum von 2000 bis zum Jahr 2023 zusammenführte, verdeutlicht, dass der Konsum von Kunst die emotionale Verarbeitung, die Aufmerksamkeitsspanne, das Erinnerungsvermögen sowie die Fähigkeit zur Stressreduktion fördert. Die Forschung bestätigt, dass Kunst und Kultur unmittelbar auf das Wohlbefinden wirken, insbesondere auf die mentale Gesundheit und Inklusionsprozesse.

Die stärksten wissenschaftlichen Belege weisen auf einen positiven Einfluss der Kunst auf das sogenannte eudaimonische Wohlbefinden hin. Dieses Konzept, das im Gegensatz zum hedonischen Glück steht, wird als das Gefühl von Sinnhaftigkeit, Zielsetzung und persönlicher Weiterentwicklung definiert. Eudaimonisches Wohlbefinden, dessen Wurzeln bis zu Aristoteles und seiner Nikomachischen Ethik zurückreichen, fokussiert auf die Verwirklichung eines guten, sinnstiftenden Lebens und die Ausschöpfung menschlicher Potenziale. Diese tiefere Form des Glücks ist oft langfristiger und kann, anders als reines Vergnügen, temporär auch mit Unannehmlichkeiten verbunden sein, resultiert aber in tiefer Zufriedenheit durch wertvolle Tätigkeiten.

Die Wissenschaftler betonen, dass die Wirkung von Kunst vielschichtig ist und stark von den individuellen Rezeptionserfahrungen des Betrachters sowie den begleitenden Aktivitäten abhängt. Es hat sich gezeigt, dass die Kombination der Kunstbeobachtung mit reflektierenden Methoden, wie beispielsweise dem Führen eines Journals oder einer intensiven Diskussion, essenziell ist, um die positiven psychologischen Effekte zu maximieren. Forschungsergebnisse von Projekten aus dem EU-Programm Horizont 2020 untermauern diese Befunde und zeigen den gesellschaftlichen Wert von Kunst und Kultur auf.

Führende Experten aus der Psychologie und Kulturpolitik legen nahe, dass Kunst von politischen Entscheidungsträgern als ein leicht zugängliches und kostengünstiges Instrument zur Stärkung der öffentlichen psychischen Gesundheit anerkannt werden sollte. Die Teilnahme an kulturellen und kreativen Aktivitäten, wozu bildende Kunst, Musik und Tanz zählen, wird als gesundheitsförderndes Verhalten über den gesamten Lebensweg hinweg betrachtet, vergleichbar mit guter Ernährung oder körperlicher Betätigung. Die Europäische Union hat im Rahmen ihres Arbeitsplans für Kultur 2023–2026 die OMC-Arbeitsgruppe „Kultur und Gesundheit“ eingesetzt, um internationale Erkenntnisse zu diesem Sektor zu bündeln und strategische Empfehlungen zu entwickeln.

Die positive Wirkung erstreckt sich über verschiedene Kunstformen hinaus; neben der bildenden Kunst haben demnach auch Tanz, Literatur und Architektur nachweisbare Effekte auf das Wohlbefinden. Allein der Anblick bildender Kunst, sei es im Museum oder sogar in der unmittelbaren Umgebung wie einem Krankenzimmer, kann das Wohlbefinden steigern, insbesondere bei wiederholtem Kontakt. Diese systematische Überprüfung, die unter anderem von Forschenden der Universität Wien geleitet wurde, deutet darauf hin, dass die Betrachtung von Kunst die empfundene Bedeutung im Leben erhöhen kann.

Die moderne Psychologie differenziert das Wohlbefinden in die hedonische Perspektive, die sich auf Glück und positiven Affekt konzentriert, und die eudaimonische Perspektive, welche das optimale Funktionieren und die persönliche Weiterentwicklung betont. Die Selbstbestimmungstheorie von Ryan und Deci (2000) teilt viele Ansichten mit dem eudaimonischen Ansatz, indem sie die Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit als förderlich für psychologisches Wachstum und Wohlbefinden ansieht. Die Erkenntnisse aus der Meta-Analyse von 2000 bis 2023 liefern somit eine solide Grundlage für die Integration von Kunst in gesundheitsfördernde Strategien auf politischer Ebene.

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Quellen

  • Kurier

  • University of Vienna - u:cris-Portal

  • Natürlich Medizin!

  • idw

  • Kurier

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