Präzise Emotionsregulation erfordert erweitertes Vokabular und gezielte Achtsamkeitspraxis

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Die moderne Bewältigung intensiver Gefühle wie Scham, Wut oder Angst verlagert ihren Fokus von der bloßen Selbstbeherrschung hin zur kultivierten Fähigkeit, diese Zustände präzise zu identifizieren, zu tolerieren und sicher zu verarbeiten. Fachleute betonen, dass die Beherrschung dieses Prozesses untrennbar mit der Erweiterung des emotionalen Vokabulars verbunden ist; vage Beschreibungen behindern nachweislich eine gesunde emotionale Steuerung. Die Fähigkeit zur Emotionsregulation, definiert als das bewusste Erkennen, Verstehen und Beeinflussen von Emotionen, gilt als zentraler Pfeiler der psychischen Gesundheit und beeinflusst die Reaktion auf Stressoren maßgeblich.

Psychologen veranschaulichen die Emotionsregulation mit der Metapher des Surfens: Das Ziel sei es, die optimale Position zu finden, um die Welle zu meistern, anstatt von ihr davongetragen zu werden. Ein signifikanter Hemmschuh für diesen Prozess ist die gesellschaftliche Tendenz, bestimmte Emotionen zu entwerten oder aktiv zu verleugnen, was häufig zur Unterdrückung führt. Diese Unterdrückung kann sich in Aggressionen gegen andere oder in selbstverletzendem Verhalten manifestieren, wobei der Konsum von Substanzen zur emotionalen Betäubung als eine Form des schleichenden Ertrinkens statt als effektiver Bewältigungsmechanismus betrachtet wird. Es existieren keine inhärent „guten“ oder „schlechten“ Emotionen; alle erfordern einen gesunden Ausdrucksweg.

Eine Schlüsselkompetenz für die aktuelle Zeit stellt die Achtsamkeit dar, insbesondere die sogenannte „mindful engagement“, welche die vollständige Vertiefung in eine Tätigkeit ohne selbstkritische Bewertung beinhaltet. Achtsamkeit fördert die Emotionsregulation, indem sie das Bewusstsein für die gegenwärtigen Gefühle schärft, ohne dass diese sofort verurteilt oder vermieden werden müssen. Diese Prinzipien integriert die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), die ursprünglich in den frühen 1980er Jahren von Marsha Linehan in den USA für chronisch suizidale Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) entwickelt wurde.

Die DBT kombiniert kognitiv-behaviorale Interventionen mit Achtsamkeit und zielt darauf ab, die Balance zwischen Akzeptanz und Veränderung zu finden, was zum Konzept des „weisen Geistes“ führen kann. Die Therapie lehrt spezifische Fertigkeiten, darunter emotionale Bewusstheit, Stresstoleranz und verbesserte Kommunikationsfähigkeiten, um überwältigende emotionale Zustände zu managen. Bei BPS liegt laut Linehans Verständnis eine Störung der Affektregulation vor, die aus hoher emotionaler Verletzlichkeit in Verbindung mit der Unfähigkeit zur Gefühlssteuerung resultiert. Die DBT-Skills umfassen vier Module, wobei Achtsamkeit in alle vier integriert ist, einschließlich des Trainings der Emotionsregulation und der interpersonellen Wirksamkeit. Die Verbreitung der DBT im deutschsprachigen Raum erfolgte Mitte der neunziger Jahre, wobei beispielsweise an der Universitätsklinik Freiburg i. Br. ein stationäres Konzept etabliert wurde.

Die physiologischen Konsequenzen der emotionalen Verdrängung sind signifikant; anhaltende Unterdrückung setzt den Körper einem chronischen psychischen und physiologischen Anspannungszustand aus, was zur Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol führen kann. Langfristig kann dies das Immunsystem schwächen und das Risiko für Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herzerkrankungen erhöhen, wie Studien des National Institute of Health belegen. Die bewusste Benennung von Emotionen – der Aufbau eines differenzierten emotionalen Vokabulars – ist somit nicht nur eine psychologische Übung, sondern eine präventive Maßnahme gegen die langfristigen körperlichen Folgen der emotionalen Vermeidung.

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Quellen

  • Dienraštis Vakaru ekspresas

  • DELFI

  • University of Latvia

  • University of Latvia

  • ResearchGate

  • LVRTC

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