Veröffentlichung der Epstein-Akten löst Rücktrittswelle in der Slowakei und Großbritannien aus
Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich
Die massenhafte Offenlegung von Dokumenten im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Jeffrey Epstein hat auf der internationalen politischen Bühne für erhebliche Erschütterungen gesorgt. Grundlage für diesen Prozess ist der „Epstein Files Transparency Act“, den US-Präsident Donald Trump am 19. November 2025 unterzeichnete. Dieses Gesetz verpflichtete das US-Justizministerium (DOJ), nicht als geheim eingestufte Materialien innerhalb einer Frist von 30 Tagen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Am Freitag, den 31. Januar 2026, veröffentlichte das Ministerium schließlich ein gewaltiges Datenpaket, das über drei Millionen Seiten, mehr als 2.000 Videos und rund 180.000 Fotografien umfasst. Diese Enthüllungen setzten in mehreren europäischen Regierungen eine unmittelbare Kettenreaktion in Gang.
Besonders drastische politische Folgen zeigten sich in der Slowakei und im Vereinigten Königreich. In Bratislava trat Miroslav Lajčák, Berater des Ministerpräsidenten Robert Fico und ehemaliger Präsident der UN-Generalversammlung, von seinem Amt zurück. Er begründete diesen Schritt damit, politischen Schaden von der Regierung abwenden zu wollen, obwohl ihm keine direkten illegalen Handlungen vorgeworfen wurden. Die Akten enthielten Korrespondenzen aus dem Jahr 2018 zwischen ihm und Epstein, in denen unter anderem über Frauen sowie ein bevorstehendes Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow gesprochen wurde. Zeitgleich gab in London Peter Mandelson, ein ehemaliger Kabinettsminister und früherer britischer Botschafter in den USA, seinen Austritt aus der Labour-Partei bekannt. Die Dokumente belegten Zahlungen in Höhe von insgesamt 75.000 US-Dollar, die zwischen 2003 und 2004 von Epstein auf Konten flossen, die mit Mandelson in Verbindung stehen – Transaktionen, an die er nach eigenen Angaben keine Erinnerung mehr habe.
Der britische Premierminister Keir Starmer hatte Mandelson bereits im September 2025 aufgrund früherer Enthüllungen von seinem Posten als Botschafter entbunden und forderte ihn nun nachdrücklich auf, vollumfänglich mit den US-Ermittlern zu kooperieren. Experten schätzen, dass das gesamte zu veröffentlichende Datenvolumen mehr als sechs Millionen Seiten überschreiten wird, was darauf hindeutet, dass das Thema die Weltöffentlichkeit das gesamte Jahr 2026 über beschäftigen wird. Unterdessen äußerte der US-Kongress Unmut über die Unvollständigkeit der ersten Veröffentlichungen. Der Justizausschuss des Repräsentantenhauses hat bereits Zugang zu den ungeschwärzten Originaldateien angefordert, um die Vorgehensweise des Justizministeriums zu überprüfen. Beamte des DOJ dämpften jedoch die Erwartungen an weitere Strafverfolgungen und betonten, dass viele der in den Akten enthaltenen Behauptungen weiterhin unbestätigt seien.
Neben den direkten politischen Turbulenzen werfen die Dokumente auch Licht auf andere aktuelle internationale Entwicklungen. So findet sich in den Unterlagen beispielsweise die Erwähnung der Pläne von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die im Rahmen der Initiative „ReARM Europe“ bis zum Jahr 2030 Verteidigungsinvestitionen in Höhe von bis zu 800 Milliarden Euro anstrebt. Diese Maßnahme soll die europäischen Verteidigungskapazitäten angesichts wachsender geopolitischer Spannungen massiv stärken. Zudem thematisieren die Materialien die prekäre Lage am Grenzübergang Rafah im Gazastreifen. Dessen für den 2. Februar 2026 geplante Öffnung sieht zunächst nur die Ausreise von 50 Personen pro Tag vor – eine verschwindend geringe Zahl angesichts der Tausenden von Verletzten, die dringend auf medizinische Hilfe angewiesen sind.
Die Liste der in den Dokumenten genannten Namen liest sich wie ein „Who is Who“ der globalen Elite und umfasst Persönlichkeiten wie Donald Trump, Bill Gates, Elon Musk und Prinz Andrew. Letzterer sieht sich erneut mit Forderungen konfrontiert, endlich umfassend mit den Justizbehörden zusammenzuarbeiten. Auch strategische Gespräche zwischen Matteo Salvini und Steve Bannon aus dem Zeitraum von März 2018 bis zu den Wahlen im Mai 2019 sind dokumentiert. In Norwegen sorgte die Erwähnung von Kronprinzessin Mette-Marit für Aufsehen, woraufhin norwegische Politiker den Rücktritt von Thorbjørn Jagland forderten. Dessen Kontakte wurden von offizieller Seite jedoch als Teil „normaler diplomatischer Aktivitäten“ verteidigt. Diese Details unterstreichen die enorme Reichweite von Epsteins Netzwerk, das tief in diplomatische, politische und aristokratische Kreise weltweit hineinreichte.
Die weitreichenden Verflechtungen, die durch die Veröffentlichung dieser Millionen von Dokumenten ans Licht kommen, verdeutlichen, dass die Aufarbeitung des Falls Epstein weit über eine rein juristische Angelegenheit hinausgeht. Es handelt sich um ein globales politisches Beben, das das Vertrauen in etablierte Institutionen und Führungspersönlichkeiten weltweit auf die Probe stellt. Während die Ermittlungen in den USA andauern, bleibt abzuwarten, welche weiteren personellen Konsequenzen die kommenden Tranchen der Aktenfreigabe in anderen Hauptstädten der Welt nach sich ziehen werden.
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Quellen
Týdeník Respekt
unn.ua
Fanpage
اندبندنت عربية
gp.se
Рамблер
The Irish Times
europa press
Wikipedia
RESPEKT
AP News
The Columbian
Euractiv
RESPEKT
Department of Justice Publishes Over 3 Million Responsive Pages in Compliance with the Epstein Files Transparency Act
Apologies, demission, royal glare: fallout from latest Epstein file dump | Euractiv
Slovak PM's adviser resigns after name surfaces in Epstein documents - Yeni Safak English
Justice Department Release Over 3 Million Pages of the Epstein Files | Democracy Now!
How the depth of Peter Mandelson's links to Jeffrey Epstein came to light
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