Energie aus Licht: Wie Quanten-„Superabsorption“ das Ende endloser Ladezeiten einläutet – Australien präsentiert die Batterie der Zukunft

Autor: Aleksandr Lytviak

Energie aus Licht: Wie Quanten-„Superabsorption“ das Ende endloser Ladezeiten einläutet – Australien präsentiert die Batterie der Zukunft-1

Wissenschaftler der nationalen australischen Forschungsbehörde CSIRO haben in einer wegweisenden Kooperation mit der Universität Melbourne und dem Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) einen technologischen Meilenstein erreicht. Gemeinsam gelang ihnen die Entwicklung und der erfolgreiche Test des weltweit ersten vollzyklischen Prototyps einer Quantenbatterie. Diese Innovation könnte die Art und Weise, wie wir Energie speichern und nutzen, grundlegend transformieren.

Die detaillierten Forschungsergebnisse wurden am 18. März 2026 in der renommierten Fachzeitschrift Light: Science & Applications veröffentlicht. Das Besondere an diesem neuartigen Gerät ist seine Fähigkeit, Energie nicht nur hocheffizient aufzunehmen und zu speichern, sondern sie auch kontrolliert als nutzbaren elektrischen Strom wieder abzugeben. Dieser vollständige Zyklus galt in der Fachwelt lange Zeit als die größte Hürde für den praktischen Einsatz von Quantentechnologien und wurde bisher kaum unter Laborbedingungen realisiert.

Das Herzstück dieser technologischen Sensation ist ein Phänomen, das die Gesetze der klassischen Physik herausfordert: der Quanteneffekt der sogenannten „Superabsorption“ (Superabsorption). Im Gegensatz zu herkömmlichen Akkumulatoren, bei denen der Ladevorgang mit zunehmender Größe oft komplexer wird, lädt sich diese Quantenbatterie umso schneller auf, je größer sie dimensioniert ist und je mehr interne Zellen sie besitzt. Dies ermöglicht eine Skalierbarkeit, die bisher als theoretisch unmöglich galt.

Die technische Umsetzung basiert auf der Verwendung organischer Moleküle, konkret Kupfer-Phthalocyanin (CuPc), die in einem speziellen Mikroresonator aus präzisen Silberschichten platziert sind. Dieser sogenannte Fabry-Perot-Mikroresonator dient dazu, Lichtwellen einzufangen und zu bündeln. Sobald das System mit einem Laser bestrahlt wird, treten die Moleküle in einen Zustand der quantenmechanischen Kopplung. In diesem Zustand absorbieren sie die Energie kollektiv statt einzeln, was zu einem exponentiellen Anstieg der Ladegeschwindigkeit führt.

In der praktischen Anwendung bedeutet dies einen gewaltigen Sprung: Während ein herkömmlicher Akku eines Elektrofahrzeugs oft Stunden benötigt, um seine Kapazität zu regenerieren, könnte ein Quanten-Pendant diesen Vorgang theoretisch in wenigen Sekunden abschließen. Den Forschern gelang es zudem, die Speicherdauer im Verhältnis zur Ladezeit um sechs Größenordnungen zu steigern. Proportional betrachtet bedeutet dies: Wenn die Batterie innerhalb einer Minute geladen wird, kann sie diese Ladung für einen Zeitraum von etwa zwei Jahren aufrechterhalten.

Trotz des revolutionären Charakters dieser Entdeckung befindet sich die Technologie aktuell noch im Stadium des Machbarkeitsnachweises (Proof-of-Concept). Die Kapazität des derzeitigen Prototyps wird in Milliarden Elektronenvolt gemessen, was momentan primär für den Betrieb mikroskopisch kleiner Quantensensoren oder spezifischer Komponenten in Quantencomputern ausreicht. Dennoch ist der Weg für eine zukünftige Hochskalierung nun geebnet.

Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil der australischen Entwicklung gegenüber ähnlichen Forschungsprojekten aus China oder Europa ist die Betriebsfähigkeit bei Raumtemperatur. Viele konkurrierende Prototypen erfordern eine extreme Kühlung bis nahe an den absoluten Nullpunkt, was ihren Einsatz im Alltag massiv einschränkt. Die CSIRO-Entwicklung hingegen funktioniert unter normalen Bedingungen, was die kommerzielle Nutzbarkeit erheblich vereinfacht.

In den kommenden Phasen plant das CSIRO, das Gerät für den Einsatz in tragbarer Elektronik und Drohnen weiterzuentwickeln. Eine besonders visionäre Anwendung ist das Aufladen von Drohnen direkt in der Luft mittels Laserstrahlen. Dies würde die Einsatzdauer von Fluggeräten nahezu unbegrenzt erweitern, da sie für den Ladevorgang nicht mehr am Boden zwischenlanden müssten. Die Ära der kabellosen, sofortigen Energieversorgung scheint damit in greifbare Nähe gerückt zu sein.

Zusammenfassend lassen sich die technischen Spezifikationen des Durchbruchs wie folgt einordnen:

  • Systemarchitektur: Ein vollzyklischer Prototyp (Laden, Speichern, Entladen), der Kupfer-Phthalocyanin-Moleküle in einem Fabry-Perot-Mikroresonator nutzt.
  • Quantenmechanik: Nutzung der starken Licht-Materie-Kopplung und kollektiver Effekte für eine subextensive Ladezeit bei superextensiver Leistung.
  • Energieerhalt: Speicherung in metastabilen Triplett-Zuständen, wodurch die Haltedauer die Ladezeit um den Faktor 1.000.000 übertrifft.
  • Vorteil: Volle Funktionsfähigkeit bei Raumtemperatur ohne die Notwendigkeit kryogener Kühlung.

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Quellen

  • csiro.au

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