Hania Rani für SENTIMENTAL VALUE gewinnt den European Composer (Original Score) Award 2026
Hania Rani triumphiert bei den European Film Awards: Ein Meisterwerk für „Sentimental Value“
Bearbeitet von: Inna Horoshkina One
Die polnische Komponistin und Pianistin Hania Rani wurde bei der feierlichen 38. Verleihung der European Film Awards am 17. Januar 2026 in Berlin mit dem prestigeträchtigen Preis in der Kategorie „European Composer (Original Score)“ geehrt. Diese Auszeichnung würdigt ihre außergewöhnliche musikalische Untermalung für den Film „Sentimental Value“ des Regisseurs Joachim Trier. Das Werk erwies sich als der große Triumphator des Abends und sicherte sich insgesamt sechs bedeutende Trophäen, darunter die prestigeträchtige Auszeichnung als „Best European Film“.
SENTIMENTAL VALUE - Offizieller Trailer
In „Sentimental Value“ fungiert die Musik nicht bloß als begleitendes Element, sondern bildet das emotionale Rückgrat der gesamten Erzählung. Rani schuf eine Klangwelt, die auf einem präzisen Zusammenspiel von Klavier, Streichinstrumenten und Synthesizern basiert. Anstatt lediglich die Bilder zu untermalen, fungiert der Soundtrack als eine Art innerer Rhythmus, der die Handlung organisch vorantreibt und vertieft.
Ein bemerkenswerter Aspekt dieser Zusammenarbeit war das tiefe Vertrauen zwischen Regisseur und Komponistin. Wie Rani und ihr Label berichteten, entstand die Partitur in einem intuitiven Prozess bereits vor dem finalen Schnitt. Die Künstlerin komponierte die Stücke allein auf Basis des Drehbuchs, was im modernen Kino eine seltene und mutige Herangehensweise darstellt, die ein hohes Maß an künstlerischer Freiheit voraussetzt.
Die Produktion des Soundtracks spiegelt eine beeindruckende europäische Dimension wider. Die Aufnahmen fanden an zwei geschichtsträchtigen Orten statt: in den legendären Abbey Road Studios in London sowie in den Studios des Polnischen Rundfunks in Warschau. Diese geografische Spreizung unterstreicht den hohen produktionstechnischen Standard und verleiht der Partitur eine ganz eigene, grenzüberschreitende Klangästhetik.
Die feierliche Gala in Berlin war jedoch nicht nur von künstlerischen Erfolgen geprägt, sondern bot auch Raum für gesellschaftspolitische Diskurse. Der iranische Regisseur Jafar Panahi eröffnete die Zeremonie mit einer eindringlichen Botschaft. Er sprach über die anhaltende Gewalt und die Repressionen in seinem Heimatland Iran und betonte die moralische Pflicht, das Schweigen zu brechen.
Dieser Kontrast zwischen dem künstlerischen Triumph und der harten sozialen Realität verdeutlichte die Rolle des europäischen Kinos als Plattform, die sowohl persönlichen künstlerischen Ausdruck als auch gesellschaftliche Verantwortung vereint. Es bleibt ein Raum, in dem das Private und das Öffentliche gleichzeitig existieren können.
Der Erfolg von „Sentimental Value“ bei den European Film Awards ist die Fortsetzung eines beeindruckenden Siegeszugs. Zuvor hatte der Film bereits bei den Filmfestspielen von Cannes für Aufsehen gesorgt, wo er unter anderem mit dem Grand Prix ausgezeichnet wurde. Nach dem Triumph in Berlin gilt das Werk nun endgültig als einer der heißesten Favoriten für die laufende internationale Preissaison.
Der Sieg von Hania Rani markiert zudem einen ästhetischen Wandel in der Wahrnehmung von Filmmusik. Es scheint, als suche das moderne Kino vermehrt nach Resonanz statt nach bloßer Lautstärke. Ranis Kompositionen wirken wie ein fein gestimmtes Instrument, das das Publikum behutsam abholt, ohne es emotional zu bedrängen.
Letztlich geht es bei dieser Auszeichnung um mehr als nur technisches Können. Es ist ein Plädoyer für eine Kunstform, die Räume für Empathie schafft. In dieser musikalischen Abstimmung entsteht ein gemeinsames Feld der Erfahrung, in dem es nicht um Trennung, sondern um das gegenseitige Zuhören und Verstehen geht.
Quellen
Super Express
Fakt
Interia Film
Polskie Radio Czwórka
naTemat.pl
Rzeczpospolita
