Renzo Piano beginnt mit dem Bau des „Musik-Insel“-Kulturkomplexes in Hanoi – Eröffnung für 2027 geplant
Autor: Ek Soshnikova
In der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi haben die Bauarbeiten für den monumentalen Kulturkomplex Isola Della Musica begonnen. Dieser Name bedeutet aus dem Italienischen übersetzt „Insel der Musik“. Das wegweisende Projekt wurde vom renommierten Architekturbüro Renzo Piano Building Workshop (RPBW) in Kooperation mit PTW Architects entworfen. Ziel ist es, die kulturelle Bedeutung Hanois auf der globalen Bühne nachhaltig zu stärken. Die Entwicklung dieses Vorhabens liegt in den Händen des vietnamesischen Unternehmens Sun Group, wobei die Fertigstellung und die feierliche Eröffnung für das Jahr 2027 anvisiert sind.
Die Konzeption dieses Bauwerks wurde maßgeblich von der lokalen Tradition der Austernzucht inspiriert, die einst den Bewohnern der Region seltene Perlen lieferte. Der Komplex entsteht auf einer künstlich angelegten Insel, die eigens zwischen zwei bedeutenden städtischen Gewässern – dem Westsee (West Lake) und dem Đầm Trị See – geschaffen wurde. Für die Errichtung dieser Insel mussten rund 13.000 Quadratmeter Land umgestaltet werden. Diese Maßnahme diente nicht nur der Schaffung einer neuen Basis, sondern ermöglichte es auch, den Baukörper so zu positionieren, dass er den Eindruck erweckt, er würde über dem Wasser schweben. Die architektonische Gestaltung des Theaters greift diese Metapher der kostbaren Perle auf, was sich besonders in der markanten, geschwungenen Dachform widerspiegelt.
Die tragende Struktur basiert auf einer filigranen, gerippten Betonhülle. Diese wurde unter Anwendung dreidimensionaler Katenoidkurven konzipiert, was eine hohe strukturelle Effizienz gewährleistet und es der Form ermöglicht, primär auf Druckbeanspruchung zu reagieren. Die Fassaden des Gebäudes werden mit perlmuttschimmernden Keramikfliesen unterschiedlicher Größe verkleidet. Dies erzeugt einen funkelnden, pixelartigen Effekt, der je nach Lichteinfall und Wetterbedingungen die schillernden Qualitäten von Perlmutt nachahmt. Das Gebäude beherbergt zwei Hauptsäle: einen Opernsaal mit einer Kapazität von 1.800 Plätzen und einen Konferenzsaal für 1.000 Besucher, was die Multifunktionalität des gesamten Komplexes unterstreicht.
Das Gesamtprojekt erstreckt sich über eine Fläche von 191.000 Quadratmetern und sieht eine tiefgreifende Einbindung in die natürliche und historische Umgebung vor. Geplant ist die umfassende Sanierung und Begrünung der umliegenden Wasserflächen, inklusive der Anpflanzung von Lotusblumen. Um den Zugang für die Besucher zu erleichtern, werden zusätzlich acht neue Bootsanlegestellen errichtet. Die Werkstatt von Renzo Piano, deren Gründer Träger des Pritzker-Preises ist, ist für weltbekannte Bauten wie das Centre Pompidou in Paris oder den „Shard“ in London verantwortlich. Die Architekten beschreiben das neue vietnamesische Theater als eine „eingehende Untersuchung der mathematischen Modelle, die in der Natur existieren, und nicht nur als eine formale Geste“.
Über die beiden Hauptsäle hinaus wird der Isola Della Musica auch Museen und zusätzliche Veranstaltungsflächen beherbergen. Es ist wichtig zu erwähnen, dass das bereits bestehende historische Opernhaus von Hanoi, das 1901 nach dem Vorbild der Opéra Garnier erbaut wurde, seinen Betrieb auch nach der Eröffnung des neuen Komplexes fortsetzen wird. Dieses Ensemble aus Alt und Neu soll Hanois kulturelles Erbe zukunftsorientiert erweitern.
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