Genetische Forschung stellt Rassenmythos zur Hundeerziehbarkeit infrage
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Aktuelle genetische Untersuchungen stellen die tief verwurzelte Annahme in Frage, dass die Trainierbarkeit von Hunden primär von der jeweiligen Rasse abhängt. Die Ergebnisse des Darwin's-Ark-Projekts, das Genetik und Verhalten kombiniert, unterstreichen die überragende Bedeutung individueller Anlagen und der Umwelteinflüsse für die Lernfähigkeit eines Tieres, weit über die bloße Abstammungslinie hinaus. Diese Forschungsergebnisse, gewonnen durch die Analyse von fast 48.500 Hunden, darunter zahlreiche Mischlinge, liefern eine neue Perspektive auf das Wesen des Hundes.
Wissenschaftliche Evidenz deutet darauf hin, dass die Rasse lediglich für etwa neun Prozent der beobachteten Verhaltensvariationen bei Hunden, einschließlich der Befolgung von Kommandos, verantwortlich ist. Die ausschlaggebenden Faktoren für das Verhalten eines Hundes sind demnach das einzelne Tier selbst und die Qualität der menschlichen Bindung, nicht der Stammbaum. Studien, wie die von Kathleen Morrill und Kollegen von der University of Massachusetts Chan Medical School, die Daten von über 18.000 Hundebesitzern auswerteten, bestätigen, dass die Unterschiede zwischen einzelnen Hunden signifikant größer sind als die zwischen den Rassen.
Obwohl anerkannte Institutionen wie der American Kennel Club Rassen wie den Border Collie aufgrund ihrer vermeintlichen Gelehrigkeit hervorheben, wird dieser Eindruck oft durch Bestätigungsfehler bei den Haltern verstärkt. Die grundlegende Forschung unter der Leitung von Dr. Elinor Karlsson vom Broad Institute und der UMass Chan Medical School hat gezeigt, dass die heutigen Rassenstandards, die größtenteils während der viktorianischen Ära mit Fokus auf physische Merkmale festgelegt wurden, selten spezifische Verhaltensweisen priorisierten. Dies erklärt die geringfügigen beobachteten Verhaltensunterschiede quer durch die meisten Rassen.
Arbeitstiere wie der Belgische Malinois zeigen zwar minimale Tendenzen zu höherer Trainierbarkeit, doch diese Abweichungen sind statistisch gering und keine Garantie für Gehorsam. Dr. Karlsson warnt davor, dass eine übermäßige künstliche Selektion, die ausschließlich auf Verhalten abzielt, durch die Verringerung der genetischen Diversität das Risiko für das Auftreten von Erbkrankheiten erhöhen kann. Die Erkenntnisse bekräftigen, dass eine ausschließliche Orientierung an Rassenbezeichnungen bei der Auswahl eines gehorsamen Begleiters eine begrenzte Aussagekraft besitzt.
Die genetische Analyse zeigt, dass die Gene, die das Erscheinungsbild eines Hundes bestimmen, stark mit seiner Rasse korrelieren, während die Gene für das Verhalten dies nicht tun. Dies impliziert, dass die Erblichkeit vieler Verhaltensweisen, wie Verspieltheit oder Wachsamkeit, zwar gegeben ist und von den Eltern vererbt wird, aber nicht spezifisch an die modernen Rassen gebunden ist. Die Wissenschaft empfiehlt, bei der Wahl eines Hundes die individuelle Beurteilung des Tieres und die Entwicklung einer starken Mensch-Tier-Bindung über bloße Rassenstereotype zu stellen.
Die Darwin's-Ark-Initiative nutzt diese Community-Wissenschaft, um eine riesige Datenbank aufzubauen. Das Working Dog Project zielt darauf ab, genetische Marker für wünschenswerte Verhaltensmerkmale bei Arbeitshunden zu identifizieren, um gesunde und erfolgreiche Tiere für Aufgaben wie Rettungsdienste auszuwählen. Diese Arbeit geschieht in Partnerschaft mit Organisationen wie dem International Working Dog Registry (IWDR), um die genetische Vielfalt zu erhöhen und der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.
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Quellen
infobae
Ekathimerini
Portal R7
Infobae
La Vanguardia
Science Friday
Darwin's Ark
UMass Chan Medical School
Natural History Museum
LMU München
The Associated Press
UEA
University of Oxford
Agência Brasil
Migalhas
Cães e Gatos
Estado de Minas
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