Kulinarische Strategien während der strengen orthodoxen Fastenzeit

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Die Große Fastenzeit in der orthodoxen Tradition ist eine Periode, die spirituelle Einkehr und tiefgreifende diätetische Enthaltsamkeit in den Vordergrund stellt. Diese asketische Praxis, die dem vierzigtägigen Fasten Jesu in der Wüste nachempfunden ist, schreibt den strikten Verzicht auf Fleisch, Eier und sämtliche Milchprodukte vor. Die Kirche betrachtet diese Askese als ein gemeinschaftliches Ereignis, bei dem Umkehr, Gebet, Demut und Werke der Wohltätigkeit untrennbar miteinander verbunden sind. Die Dauer der Großen Fastenzeit umfasst vierzig Tage, den Lazarus-Samstag, den Palmsonntag sowie die darauffolgende Karwoche, die durch ein besonders strenges Fasten gekennzeichnet ist.

Entgegen der Vorstellung, dass Fastenspeisen monoton sein müssen, rücken einfache, aber nährstoffreiche Gerichte in den Fokus. So kann beispielsweise eine cremige Pilz- und Kartoffelsuppe durch die Zugabe von Sojasauce oder Knoblauchpulver geschmacklich vertieft werden. Ein substanzielles Gericht stellen gefüllte Paprika mit Reis und Gemüse dar, wobei Walnüsse oder geräuchertes Paprikapulver die Füllung aufwerten und eine sättigende Mahlzeit bilden. Für die Verpflegung unterwegs, etwa in der Mittagspause, empfehlen sich robuste Optionen wie Kichererbsensalat oder ein kräftiger Bohneneintopf, was die Praktikabilität der Einhaltung der Regeln im modernen Leben unterstreicht.

Die Einhaltung der Fastenregeln erfordert präzise Kenntnisse über die erlaubten und verbotenen Lebensmittel, wobei die orthodoxe Ordnung spezifische Einschränkungen vorsieht. Generell sind Öl und Wein nur für die Samstage und Sonntage reserviert, während Fisch nur an ausgewählten Festtagen gestattet ist. In einigen Traditionen wird zwischen strengem Fasten, leichtem Fasten – wobei Wein, Öl und Weichtiere erlaubt sind – und Fasten mit Fisch unterschieden, was eine gestaffelte Annäherung an die Enthaltsamkeit ermöglicht. Zur Verfeinerung der Zubereitungstechniken wird der Einsatz der Grill- oder Oberhitze-Funktion des Backofens empfohlen, um beispielsweise bei Backwaren eine knusprige Kruste zu erzielen.

Historisch gesehen gab es im Mittelalter bis zu 130 Fastentage, wobei Mönche erfinderisch wurden, indem sie beispielsweise Vögel als Wassertiere deklarierten, um Fleischverbote zu umgehen. Diese Praxis verdeutlicht die historische Spannung zwischen strenger Regel und praktischer Notwendigkeit. Die orthodoxen Kirchen bezeichnen diese Zeit als die „heilige und große Fastenzeit“ und kennen neben dieser noch drei weitere längere Fastenzeiten, was die zentrale Rolle der Askese im orthodoxen Glaubensleben unterstreicht. Die Kirche gewährt Erleichterungen bei Krankheit oder Schwangerschaft, wobei die Konsultation eines geistlichen Vaters bezüglich der Einhaltung der Regeln angeraten wird. Die Fastenpraxis dient letztlich dazu, Körper und Geist zu beruhigen, das Gebet zu verstärken und sich auf das Hochfest Ostern vorzubereiten.

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Quellen

  • Dnevni list Danas

  • Mango shop

  • nova.rs

  • Blic Žena

  • Glossy

  • Stil Kurir

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