Neue Einblicke in die Physik des Weltraumwetters durch Beobachtung „lächelnder Elektronen“

Bearbeitet von: Vera Mo

Wissenschaftler haben die Existenz einzigartiger Elektronenverteilungen, als „lächelnde Elektronen“ bezeichnet, innerhalb des schützenden Magnetfeldes der Erde bestätigt. Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für das Verständnis der Mechanismen der magnetischen Rekonnexion, welche die Dynamik des Weltraumwetters maßgeblich beeinflussen. Die detaillierte Darstellung dieser Entdeckung erfolgte in einer wissenschaftlichen Studie, die von Jason Shuster geleitet wurde, einem Forschungsassistenten und Dozenten für Physik an der University of New Hampshire (UNH).

Shuster, der seine Promotion im Fach Physik an der UNH im Herbst 2016 abschloss, entwickelte eine neuartige Methodik zur Visualisierung von Elektronen-Geschwindigkeitsdaten. Diese Methode wurde auf Beobachtungen angewendet, die im Rahmen der Magnetospheric Multiscale (MMS) Mission der NASA gewonnen wurden. Die charakteristische, lächelnde Verteilung der Elektronen tritt spezifisch in der sogenannten Elektronen-Diffusionsregion (EDR) auf. Diese EDR stellt eine kritische Zone dar, in der das Erdmagnetfeld direkt mit dem Sonnenwind interagiert. Die EDR galt lange Zeit aufgrund erschwerter detaillierter Sondierungsmöglichkeiten als ein „Black Box“-Bereich der Weltraumphysik.

Die nun identifizierte lächelnde Struktur fungiert als eine Art „Landkarte“, um die komplexen Vorgänge des Energietransfers im Weltraum zu entschlüsseln. Das Verständnis dieser Struktur ist von fundamentaler Bedeutung, da die magnetische Rekonnexion die treibende Kraft hinter Störungen des Weltraumwetters ist, wie die Ergebnisse in Nature: Communications Physics darlegen. Magnetische Rekonnexion beschreibt den abrupten Umbau magnetischer Feldlinien, was eine explosive Freisetzung von Energie zur Folge hat. Shuster formulierte das Ziel, die Aktivitäten der Elektronen in der Magnetosphäre zu kartieren, um ein vollständiges Bild der Vorgänge in diesen Rekonnexionsorten zu konstruieren.

Ein Erfolg bei der Entschlüsselung der Rekonnexion mittels dieser neuen „Karte“ wird eine signifikante Verbesserung der Vorhersage von Weltraumwetterereignissen ermöglichen. Solche Ereignisse, ausgelöst durch koronalen Massenauswürfe (CMEs) oder Sonneneruptionen, haben weitreichende Konsequenzen für die technologische Infrastruktur der Erde. Betroffen sind essenzielle Systeme wie Kommunikationssatelliten, Navigationssysteme wie GPS und die globalen Stromnetze. Ein vergleichbares Ereignis wie das Carrington-Ereignis von 1859, das damals primär Telegrafenleitungen störte, wird heute auf einen Schaden von etwa einer Billion US-Dollar allein in den Vereinigten Staaten geschätzt.

Die MMS-Mission, deren Start im März 2015 erfolgte, liefert eine beispiellose zeitliche, räumliche und geschwindigkeitsraumbezogene Auflösung zur direkten Beobachtung dieser Phänomene. Die gewonnenen Erkenntnisse sind nicht auf die unmittelbare Umgebung der Erde beschränkt. Die am magnetischen Rand der Erde entdeckte Struktur bietet ein anwendbares Modell zum Verständnis von Plasmaumgebungen im gesamten Universum. Dies schließt die Bedingungen in der Nähe von Schwarzen Löchern, die Magnetosphären anderer Planeten und die Bedingungen in magnetischen Einschlussfusionsanlagen ein. Die Forschung zielt darauf ab, die kinetischen Plasmaprozesse zu ergründen, um zukünftige extreme Sonnenereignisse und die daraus resultierenden geomagnetischen Stürme besser vorhersagen zu können, was dem Schutz von Astronauten und Weltraumgütern dient.

Die kontinuierliche Überwachung der Sonnenaktivität, aktuell im Sonnenfleckenzyklus 25, dessen Maximum im Oktober 2024 erreicht wurde und sich nun in der Abstiegsphase befindet, unterstreicht die Dringlichkeit dieser Grundlagenforschung für den Schutz terrestrischer und weltraumgestützter Infrastrukturen.

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Quellen

  • The News International

  • University of New Hampshire

  • The News International

  • University of New Hampshire

  • Paul Cassak - Wix.com

  • University of New Hampshire

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