Ökotourismus in der Karibik: Von Solarparks bis hin zu innovativem Recycling

Bearbeitet von: Irina Davgaleva

Die Karibikinseln erleben derzeit eine tiefgreifende Transformation, bei der grüne Energie die traditionellen Urlaubsregeln neu definiert. Das veraltete Klischee von endlosen All-Inclusive-Resorts weicht einer neuen Realität, in der das Karibische Becken nicht nur mit türkisfarbenen Lagunen, sondern auch als lebendiges Labor für eine nachhaltige Zukunft überzeugt. Junge Unternehmer nutzen Solarpaneele und recycelten Kunststoff, um innovative Tourismusrouten zu schaffen, bei denen die Besucher zu einem aktiven Teil des Wandels werden.

Auf St. Vincent und den Grenadinen stellt die Westfield Farms im Marriaqua-Tal weit mehr als nur ein gewöhnliches Agrarunternehmen dar; sie ist ein fester Anlaufpunkt für bewusst reisende Touristen geworden. Der Eigentümer Hans John hat die gesamte Bewässerung und die Sicherheitssysteme auf Solarenergie umgestellt, wodurch der Betrieb gegen Hurrikane und Dürreperioden gewappnet ist. Besucher können an Exkursionen teilnehmen, um zu erleben, wie traditionelle Landwirtschaft mit moderner Technologie verschmilzt, mit Einheimischen zusammenarbeiten und die frische Ernte verkosten. John bildet zudem junge Techniker aus und beschäftigt lokale Anwohner, was den perfekten Ausflug für jene darstellt, die sich als Teil der Gemeinschaft und nicht nur als Hotelgast fühlen möchten.

Ebenfalls auf St. Vincent installiert der Unternehmer Ricardo Boatswain über seine Firma Solife Solar Solaranlagen und autarke Energiesysteme für Privathäuser, Villen, Gästehäuser und kleine Unternehmen. Seine entscheidende Innovation ist ein in der Karibik bisher einmaliger 84-monatiger Ratenzahlungsplan. Dieses Finanzierungsmodell beseitigt die größte Hürde für den Umstieg auf Sonnenenergie: die oft abschreckend hohen Anschaffungskosten für die technische Ausrüstung.

Dank dieser Ratenzahlung können Besitzer kleinerer Beherbergungsbetriebe auf saubere Energie umsteigen, ohne massive Einmalinvestitionen tätigen zu müssen. Dies senkt nicht nur die laufenden Stromkosten, sondern erhöht auch die Widerstandsfähigkeit gegen regionale Stromausfälle. Für Reisende bietet dies eine zusätzliche Erfahrungsebene: Auf der Insel gibt es Demonstrationsanlagen, an denen Boatswain erläutert, wie die Jugend die Energielandschaft der Region transformiert. Solche Besuche verknüpfen Technologie mit persönlichen Geschichten über den Weg von hohen Tarifen und Dieselabhängigkeit hin zur energetischen Selbstständigkeit vor der Kulisse malerischer karibischer Landschaften.

Auf Jamaika verwandelt Sheed Cole mit seinem Unternehmen 360 Recycle Manufacturing Ltd. Kunststoffabfälle und Styropor in hochwertige Verbundwerkstoffe für Spielplätze, Möbel und Bauvorhaben. Diese Materialien, die mit Zement und speziellen Gitternetzstrukturen gemischt werden, dienen zudem der effektiven Wärmedämmung von Häusern und sparen so wertvolle Energie für Klimaanlagen. Touristen nehmen bereits an Workshops teil, um mit eigenen Händen eine Bank aus Abfällen herzustellen oder durch Parks mit diesen innovativen Elementen zu spazieren. Cole setzt sich zudem für staatliche Aufträge ein, sodass solche Projekte bald zur Norm werden und die Exkursionen zu einem Highlight für ökologisch bewusste Gäste avancieren.

Diese Erfolgsgeschichten fügen sich nahtlos in die regionalen Ziele ein: St. Vincent strebt bis zum Jahr 2030 einen Anteil von 60 % erneuerbarer Energien an, wobei der Fokus stark auf der Einbindung der Jugend liegt. Die Vereinten Nationen fordern verstärkte Investitionen in die Inselstaaten für saubere Energie, während die Energiewoche in Panama die Karibik als Frontlinie für technologische Innovationen präsentieren wird. Für Touristen entstehen dadurch Routen mit doppeltem Effekt: Entspannung am Strand tagsüber und Besuche von Farmen oder Recyclingprojekten am Abend. Junge Fachkräfte im Bereich der Solarenergie agieren zunehmend als Guides und gründen Start-ups, wodurch sich der Sektor dynamisch entwickelt.

Die Karibik bietet heute eine völlig neue Art des Reisens an: eine Kombination aus klassischem Strandurlaub und Exkursionen zu realen grünen Projekten. Hier lässt sich hautnah miterleben, wie sich die Inseln an den Klimawandel anpassen und dabei widerstandsfähige, nachhaltige Gemeinschaften schaffen. Dieser Wandel macht die Region zu einem Vorreiter für einen Tourismus, der ökologische Verantwortung und erholsame Momente harmonisch miteinander verbindet.

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Quellen

  • iWitness News

  • 360 Recycle Manufacturing | Jamaica

  • Loop News

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